Strategien

Klassiker japanischer Strategiekunst

Neben der technischen Fähigkeit im Umgang mit Speer, Bogen, Schwert und Pferd oblag den Kriegern des feudalen Japans das Studium strategischer Schriften. Sie bildeten die Voraussetzung für taktisches Handeln, sowohl im persönlichen Duell wie auch auf dem Schlachtfeld...

Miyamoto Musashi nennt in seinem „Buch der fünf Ringe“ den Umgang mit dem Schwert an sich, als auch das Leben des Kriegers in der Gesamtheit, die „Schwertkunst“ oder „Kampfkunst“. Von „Kunst“ schreiben die Verfasser der Klassiker des Kriegswesens: Sunzi in „Die Kunst des Krieges“, Yamamoto Tsunetomo im Hagakure (Verborgenen Blätter) oder Daidôji Yûzan in seinem Traktat Budô shoshinshû (Elementarbuch über den Weg des Kriegers).

Die Richtlinien für japanisches Kriegertum, allen voran Sunzi´s „Kunst des Krieges“, folgen alle dem Prinzip der Einfachheit. Die Anweisungen sind klar, in schlichten Worten, und so geschrieben, dass der Leser denkt, dass sie nur logische Zusammenhänge aufzeigen. Die enthaltenen Lehren sind allgemeingültig und auf viele Bereiche anwendbar: im Militär, im täglichen Leben, in zwischenmenschlichen Beziehungen und in der Wirtschaft. Diese Allgemeingültigkeit macht diese Prinzipien wertvoll, weil sie vielschichtig anwendbar sind.

Vermutlich wurde in keinem Bereich so großer und so schneller Fortschritt erreicht wie in dem der Waffentechnologie. Vergleiche, wie Kriege bis vor 100 Jahren geführt wurden, zeigen noch keine großen Unterschiede. Erst im letzten Jahrhundert geht der Trend in bewaffneten Konflikten in Richtung Massenvernichtung bzw. -schädigung, da eine simple Vernichtung nicht wünschenswert ist. Verwundete binden mehr Kräfte und demoralisieren. Die Waffen werden immer ausgeklügelter im Hinblick auf ihre perfide Verwendung, und die vor dem letzten Jahrhundert über mehrere 100 Jahre gültigen taktischen Anweisungen in Bezug auf Schlachtenaufstellung und Strategie werden auf den ersten Blick unbrauchbar.

Die japanischen Klassiker der Kriegskunst gelten mit ihren Prinzipien nach wie vor, werden aber von Militärs nur noch selten angewendet oder akzeptiert.

Mehr Nutzen zieht daraus vielleicht die Wirtschaft, in der andere „Waffen“ vorherrschen. So wie früher Fechten, der Umgang mit dem Speer, Reiten und Bogenschiessen wichtige Künste waren, braucht der Manager von heute Fähigkeiten und Kenntnisse in Kommunikation, Problemlösung Teamwork, Organisation von Treffen, Selbstdisziplin, kontinuierliche Weiterbildung und was sonst noch zur Beherrschung seiner Aufgaben gehört.[1] Der richtige Umgang damit wird in den klassischen Leitfäden für die Angehörigen der japanischen Kriegerkaste, den Samurai, erklärt.

Im Folgenden werden drei  Klassiker japanischer Kriegskunst:

Sunzi: Die Kunst des Krieges

Sunzi´s Kunst des Krieges bildet in gewisser Hinsicht eine Ausnahme in der Reihe der hier behandelten Kriegskunst-Klassiker: Die Niederschrift ist in China entstanden; alle anderen behandelten Werke sind von japanischen Verfassern, und es ist die aller erste bekannte Abhandlung über Strategie in schriftlicher Form. Leider ist über den Mann selbst nur wenig bekannt. Wir wissen nicht, wann er die dreizehn Kapitel niederschrieb. Manche datieren sie auf das Jahr 500 v. Chr., in die Zeit des Königreichs von Wu, manche auch auf etwa 300 v. Chr.[2] Über schriftliche Aufzeichnungen in diesem Umfang, die sich mit Strategie befassen, ist vor dieser Zeit nichts bekannt.

Zu den Klassikern, die Japans Kriegertradition entscheidend beeinflusst hat, ist es deshalb zu zählen, weil seine Regeln als strategische Grundlage dem japanischen Fürsten Takeda Shingen dienten, der von seinen Zeitgenossen als strategisch brillant eingestuft wurde. Dessen Banner zierten die vier Schriftzeichen, die eben jene Basis seiner Strategie war, mit der er so viele Schlachten gewonnen hatte: Fu Rin Ka Zan. Fu ist das Schriftzeichen für Wind, Rin steht für Wald, Ka für Feuer und Zan(San) für Berg.

Fürst Takeda´s Banner-Moto ist in der Reihenfolge angeführt, wie die vier Prinzipien im Original angeordnet sind: Wind, Wald, Feuer, Berg.

Die Anwendung ist nicht strikt auf diese Reihenfolge festgelegt, sondern vielmehr den jeweiligen Umständen entsprechend anzuwenden. So, wie sich diese aus der chinesischen Philosophie entnommenen Elemente untereinander und nicht nacheinander beeinflussen, ist auch die Umlegung, abhängig von der gegenwärtigen Situation, nicht unbedingt an eine Reihenfolge gebunden. Die im Originaltext aufgeführte Reihenfolge ist willkürlich. Mit einem Teil muss schließlich begonnen werden. Und wie Wasser keine unveränderlichen Formen kennt, gibt es im Krieg keine unveränderlichen Bedingungen.[3]

Das Furinkazan- Prinzip

Therefore when it moves swiftly it is like the wind, when it goes slowly it is like a forest; it is racious as fire, immovable as mountains.[4]

Das Furinkazan-Prinzip lässt sich wie folgt transferieren:

Im Mittelpunkt steht das zu lösende Problem (sprichwörtlich: ene entscheidende Schlacht). Die Aufgabe muss schnell analysiert und so bald wie möglich gelöst werden. Das entspricht dem Element und der Geschwindigkeit des Windes.

Der Zeitvorteil - das heißt, dem Gegner ein wenig voraus zu sein - war häufig wichtiger als zahlenmäßige Überlegenheit oder die schönsten Rechenspiele mit dem Nachschub.[5]

Trotz drängender Zeit muss die Vorbereitung ruhig und unter Betrachtung so vieler Aspekte wie notwendig betrachtet werden. Dazu muss geplant werden und alle betroffenen Entscheidungsträger (die Generäle) angehört werden.

So führen viele Berechnungen zum Sieg und wenig Berechnungen zur Niederlage - überhaupt keine erst recht![6]

Ein weiterer Punkt in der Planung ist es, den richtigen Zeitpunkt in Ruhe abzuwarten. Siegen wird der, der gut vorbereitet darauf wartet, den unvorbereiteten Feind anzugehen.[7] Daran wird der ruhige Charakter des Waldes erkennbar.

Das anzugehende Problem wird schnell und aggressiv, mit den Eigenschaften des Feuers, gelöst und die schlussendlich erreichte Position so wenig wie möglich verändert. Unbeweglich wie der Berg.

Zu diesem Strategie-Prinzip finden sich allein in der Schrift „Kunst des Krieges“ zahlreiche weitere Beispiele.

Der europäische Weg zur Problemlösung ist auch mit aufgezeigt. Das Problem wird schnell analysiert, die Umsetzung erfolgt genauso schnell und mit weniger Überlegung. Nachdem das Problem augenscheinlich gelöst wurde, folgen viele Bewegungen in der Nachbesserung. Das steht im Gegensatz zur Eigenschaft des Berges, der Unbeweglichkeit, wenn eine bestimmte Position erreicht sein sollte. Sicherlich müssen auch falsche Überlegungen in der Planung eingestanden werden, und das ist eine Position von Schwäche.

Den Gegner studieren

Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.[8]

Auch der japanische Schwertkämpfer und Stratege Miyamoto Musashi geht auf diese, eine der wichtigsten Prinzipien Sunzi`s, ein. In seinem „Buch der fünf Ringe“ schreibt er, wie wichtig es ist, den Gegner im Hinblick auf seine Stärke beurteilen zu können. Ist diese Stärke vollkommen vorhanden oder geschwächt? Wie ist die Motivation bei der Gegner und welche Position hat der Feind bezogen?

Zu erkennen, wie die Dinge stehen, heißt, bezogen auf den Kampf mit vielen, daß man herausfindet, ob die Kräfte des Gegners noch frisch sind oder schon erschlafft und wie es bei der Mehrzahl seiner Truppen mit der Entschlossenheit bestellt ist; daß man ihre Position auf dem Schlachtfeld durchschaut und ihre Möglichkeiten richtig einschätzt.[9]

In Kenntnis dieser Umstände über den Gegner und in Kenntnis der eigenen Stärken und Schwäche wird die Aktion zu eigenen Gunsten abgeschlossen

In Anlehnung an Die Kunst des Krieges, den ersten und berühmtesten Klassiker über die Wissenschaft der Konfliktstrategie, betont Musashi, wie wichtig es sei, den Feind zu durchschauen und die eigenen Reaktionen den gegnerischen anzupassen.[10]

Miyamoto Musashi: Gorin no sho

Musashi erschlug seinen ersten Gegner eigenen Angaben zufolge schon mit dreizehn Jahren. Miyamoto Musashi wurde 1584, als sich ein Ende der Senkoku jidai, der „Zeit der kriegführenden Staaten“, der Zeit des Bürgerkriegs in Japan, abzeichnete, geboren. In jungen Jahren kämpfte er in der Entscheidungsschlacht bei Sekigahara (1600) zwischen den Erben Toyotomi Hideyoshis und Tokugawa Ieyasu auf Seiten der Verlierer (Hideyoshi). Durch diese Schlacht gelang es den Tokugawa-Shôgunen das im Bürgerkrieg in viele feindliche Parteien geteilte Land zu einen. Musashi hatte keinen Daimyô, keinen Lehnsherren und zog als Rônin, als herrenloser Krieger durchs Land. Er focht in über sechzig Duellen und verlor angeblich kein einziges davon. Mit dreißig Jahren gab Musashi das Kämpfen auf und verschrieb sich dem Ziel, die Vervollkommnung des Menschen anhand des Schwertweges deutlich zu machen. Er starb 1645 eines natürlichen Todes.

Von Zen bis Schwertkunst und strategischen Theorien des 17. Jahrhunderts hat man alle kulturellen Register gezogen, um Musashi erfassen zu können. Was dabei aber übersehen wurde, war die Tatsache, daß tausende von Samurai zu seiner Zeit Zen praktizierten, und alle befassten sich mit der traditionellen Schwertkunst. Musashi allein aber wurde duch sein eigenes Programm unschlagbar.[11]

Seine Anleitungen sind geradlinig und kompromisslos und in ihrer Klarheit einfach zu transferieren. Musashi verkörperte in seiner Person die beiden wesentlichen Elemente der Kriegskunst.

Das erste dieser Grundprinzipien besteht darin, auch mitten im gewalttätigen Chaos die innere Ruhe und die Übersicht zu bewahren; das zweite darin, auch in Zeiten der Ordnung die Möglichkeit aufkeimender Unordung nicht außer acht zu lassen.[12]

In diesem Satz ist eine wichtige Aussage enthalten: Musashi beherrschte das Chaos. Deshalb ist es auch ratsam nicht von irgendeinem Samurai oder von irgendeinem Militärstrategen zu lernen. Wer von einem lernen will, der auf seinem Gebiet perfekte Chaoskontrolle beherrschte, der ist mit Musashi gut bedient.[13] So verhält es sich bei Musashi, dessen Schule sich auch von anderen unterschied.

Sein Werk, das unter den Anleitungen für Strategie bisher am häufigsten interpretierte Gorin no sho, ist unterteilt in die fünf Elemente in der japanischen Philosophie: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere. Das Buch der Erde befasst sich mit den Grundlagen des Kriegerweges wie körperliche Haltung, Blick, geistige Einstellung. Das Buch des Wassers beschreibt grundlegende Techniken als Basisrüstzeug. Das Buch des Feuers handelt vom Gefecht.

Ein Beispiel aus dem Buch des Feuers

An den Ecken anpacken:

Man packt an den Ecken an, weil alles Mächtige im direkten Zugriff schwer zu bewegen ist.

In der Schlacht mit vielen gewinnt man den Vorteil daraus, daß man die gegnerischen Truppen beobachtet und sie von ihren am weitesten vorragenden Ecken her bekämpft. Je abgenutzter die Flanken, desto schwächer das Ganze. Wichtig ist, sich während dieser Abnutzung Ecke um Ecke vorzunehmen und sich so den Sieg zu sichern.

Auch im Einzelkampf ist es leicht, den Sieg dadurch zu erringen, daß man den körperlichen Ecken des Gegners Schmerzen zufügt, sein Leib wird allmählich schwächer werden und schließlich verfallen. Was zu beachten ist. Man muß wissen, wie man den anderen überwindet.[14]

In dieser an sich ausführlichsten Übersetzung von Schaarschmidt ist zwar die Taktik des „An den Ecken anpacken“ ihren Grundzügen erläutert, entbehrt aber einem wichtigen Punkt: Musashi beschreibt zwar „die am weitesten vorragenden Ecken“, das müssen aber nicht zwangsläufig die strategisch richtigen Punkte sein.

Treffender ist dieser Aspekt in der Bearbeitung von Cleary formuliert: Die Schwachstellen, auf die dein Angriff zu konzentrieren ist, müssen genau geortet werden.[15]

Er fordert auf, eine Schwachstelle wirklich als solche zu erkennen und nicht eine Schwachstelle in einer hervorstehenden Ecke zu sehen, obwohl es keine Schwachstelle ist. Ist die vermeintliche Ecke keine Schwachstelle, kann ein Angriff auf sie Kraft kosten und zu Verlusten führen.

Eine Ecke kann gleichzeitig eine Schwachstelle sein. Dann ist auszuwerten, ob der Gegner sich

a.) der Schwachstelle bewusst ist, und

b.) sie als schützenswert empfindet.

Das Problem in der Anwendung dieser Taktik wird an dieser Stelle so deutlich gemacht, daß generell das Bewusstsein entwickelt werden muss, nicht nur den großen Rumpf eines gegnerischen Heeres zu sehen, sondern die vernachlässigten Randgruppen, die mit dem großen Teil verbunden sind und oftmals die Archilles-Ferse darstellen. Diese gilt es herauszufinden. Aber gerade weil ein solches strategisch richtiges Vorgehen nicht unserer natürlichen Tendenz zum Bewerten entspricht, kann derjenige, der sich eine solche Denk- und Vorgehensweise antrainiert, besondere Vorteile erlangen.[16]

Im Buch des Windes zeigt Musashi die Eigenarten anderer Schulen auf, setzt sie in den Vergleich mit seiner eigenen Schwertkunst und folgt damit wieder Sunzi´s Grundsatz sich selbst und seinen Gegner zu studieren. Mit dem Buch der Leere beschliesst Musashi seine Unterweisungen und weist darauf hin, dass der Sieg in gleichem Maße durch Intuition errungen, wird wie durch intellektuelle Aneignen seiner Regeln.

Daidôji Yûzan: Budô Shoshinshû

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den bisher behandelten Klassikern und dem Budô Shoshinshû.

Sunzi, war ein General der einer mächtigen Streitmacht vorstand und seine Lehren vorwiegend auf Schlachten oder Kriege, also grossangelegte Aktionen, bezieht und sicherlich aufgrund mangelnder Erfahrung seine Prinzipien nicht auf den Einzelkampf überträgt.

Bei Musashi verhält es sich umgekehrt: Er war nicht von hohem Rang, hatte daher keine Gelegenheit  einer großen Streitmacht vorzustehen oder diese im Gefecht zu führen. Er greift auf seine ausreichenden Erfahrungen im Einzelkampf zurück und transferiert diese auf die Schlacht.

Beide beschäftigen sich aber definitiv mit dem Kampf, dem bewaffneten Konflikt. Sowohl Musashi als auch Sunzi legen ihre Regeln in teilweise grausamer Weise direkt dar.

Beide Werke können als Leitfaden für Strategen, für Generäle und Heerführer gesehen werden.

Im Budô Shoshinshû wird vielmehr das persönliche Verhalten eines Gefolgsmannes, eines Samurai, in mittlerer Position und in Friedenszeiten beschrieben. Es werden seine Pflichten gegenüber seinen Eltern, seinen Vorgesetzten, anderen Gefolgsmännern (Kriegern mit selbem Rang) und seinen Untergebenen detailliert erklärt. Bei Sunzi oder Musashi werden diese allgemeinen Verhaltensregeln nur sehr oberflächlich behandelt.

Daidôjin Yûzan geht auf Ess-und Trinkgewohnheiten ein, an die sich ein Krieger in Friedenszeiten halten sollte, er gibt Anleitung für richtiges Reisen, bis zum korrekten Liegen:

And even when out of their sight and in private, there must be no relaxation and no light and shade in the loyality and filial duty of a warrior. Wherever he may be lying down or sleeping, his feet must never for instance be pointing in the direction of his lord´s presence.[17]

Dieses Beispiel soll zeigen, wie ernst es Yûzan war, den jungen Samurai richtiges Verhalten beizubringen und wie rigide er dieses Anliegen in die Tat umsetzt.

Es ist nichts darüber bekannt, ob Daidôji Yûzan praktische Erfahrung im Gefecht hatte. Bei Sunzi und Musashi steht diese Erfahrung außer Zweifel.

Anwendung der Prinzipien des Budô Shoshinshû

In Japans Gesellschaft herrscht ein subtiles System aus gesellschaftlichen Beziehungen. Wer steht in der Hierarchie oben oder unten; wer ist Teil der eigenen Gruppe (Familie, Clan, ect.) und wer bewegt sich außerhalb, ist aber dennoch in vergleichbar höherer Position. Diese Unterschiede werden im täglichen Umgang, besonders in der Sprache sichtbar.

Ein wichtiger Aspekt ist es, den Gegenüber nicht durch Worte oder Handlungen zu beschämen, ihn das „Gesicht verlieren“ lassen.

Scham spielt eine große Rolle. Die Sensibilisierung dafür geschieht von Anfang an.

However, generally speaking, the rule for the practice of right conduct is that first of all we should feel shame at the contempt of our family and servants and friends, and then at the scorn of the wider circle of our acquaintances and of outsiders, and thus eschew the wrong and do right.[18]

In der Interpretation dieser Schrift wird Scham angeführt, als das Mittel um Mut zu entwickeln und richtige Entscheidungen zu treffen. Wenn es darum geht, recht zu handeln oder Mut zu beweisen, gibt es deshalb keinen anderen Weg, um diese Eigenschaften zu entfalten, als an das Schamgefühl zu appellieren.[19]

Musashi und Sunzi gehen in ihren Niederschriften auch auf die Umstände des „Kampfplatzes“ein. Bei Musashi bezieht sich diese Ausführung auf den Einzelkampf, bei Sunzi auf die Schlacht und nicht wie hier, auf die Umgebung des Kriegers in Friedenszeiten.

Moderne

Die drei behandelten Schriften über die Regeln der Kriegskunst stehen stellvertretend für zahlreiche andere Schriften, die Anwendung bei taktischen Aktionen und Führungstheorien finden. Sunzi, Musashi und Yûzan wurden am häufigsten von Autoren internationalen Rufs interpretiert.

Im Gegensatz zu anderen, mit den Kriegern Japans möglicherweise vergleichbaren, Gesellschaftsgruppen, beispielsweise den europäischen Rittern des Mittelalters, haben die Richtlinien für den Samurai bis heute Gültigkeit. Die Institution des europäischen Ritters war vergleichsweise kurzlebig und mit dem Samurai vergleichbare Stände folgten nicht nach.

Neben Spiegel und Edelsteinen ist das Schwert eines der Symbole für Japan und ein Junge bekommt bei seiner Geburt eine Modell-Rüstung mit Schwert und Pfeil und Bogen geschenkt. Die Schüler, die heute die Aufnahmeprüfung an eine Schule nicht schaffen, werden Rônin genannt, der Ausdruck für herrenlose Samurai, und an zahlreichen Vorhängen an den Eingangstüren zu Restaurants prangen Familienwappen von Samuraifamilien. Der Einfluss der feudalen japanischen Kriegerkaste auf Wirtschaft und Gesellschaft Japans ist nicht zu übersehen.

In Japan sind sich viele junge Manager des Einflusses der Kriegsklassiker nicht mehr bewusst, weil ihnen eine gewisse Geisteshaltung von Kindheit an anerzogen wird, deren Ursprünge sie aber nicht mehr kennen.

Im Westen dagegen werden sich Manager mit zunehmender Zahl des Wertes dieser Schriften bewusst. Eine Umsetzung vom rein geistigen Verstehen in die Praxis ist aber schwierig, da die ursprüngliche Einstellung fehlt, die in den Büchern vorausgesetzt werden. Besonders das Budô Shoshinshû ist in der westlichen Welt in dieser Form schwer anzuwenden, da es für Menschen geschrieben wurde, bei denen die gleiche Mentalität vorausgesetzt wurde.

[1] Schmincke, D.: Samurai-Prinzipien, München 1997, S. 105.

[2] Clavell, J. (Hrsg.): Sunzi: Kunst des Krieges, München 1988, S. 12.

[3] Clavell, J. (Hrsg.): Sunzi: Kunst des Krieges, München 1988, S. 63.

[4] Sun Tzu: Art of War, Übersetzt von Cleary, T., Boston 1991, S. 54.

[5] Clavell, J. (Hrsg.): Sunzi: Kunst des Krieges, München 1988

[6] Sunzi: Kunst des Krieges, Hrsg: Clavell, J., München 1988, S. 24.

[7] Sunzi: Kunst des Krieges, Hrsg: Clavell, J., München 1988, S. 39.

[8] Sunzi: Kunst des Krieges, Hrsg: Clavell, J., München 1988, S. 38.

[9] Musashi, M., Fünf Ringe, München 1994, S. 91.

[10] Cleary, T.: Wann man kämpfen soll, Braunschweig 1991, S. 111.

[11] Drosdek, A.: Samurai-Faktor, München 1995, S. 20.

[12] Musashi, Vom Sieg im Kampf, München 1993, S. 22.

[13] Drosdek, A.: Samurai-Faktor, München 1995, S. 28.

[14] Musashi, M., Fünf Ringe, München 1994, S. 103.

[15] Musashi, Vom Sieg im Kampf, München 1993, S. 116.

[16] Drosdek, A.: Samurai-Faktor, München 1995, S. 173.

[17] Yûzan ,D.: Code of the Samurai, Singapur 1997, S. 36.

[18] Yûzan ,D.: Code of the Samurai, Singapur 1997, S. 32.

[19] Schmincke, D.: Samurai-Prinzipien, München 1997, S. 30.