„Nachdem Ex-Kaiser Toba am zweiten Tag des siebenten Monats im ersten Jahr der Hougen-Periode starb, begann das Kämpfen und Streiten in Japan und das Land betrat das Epoche der Krieger."

(aus „Gukanshou" von Mönch Jien, Anfang 13. Jh.)

Der Clan der Taira

Unter den bedeutenden Krieger-Clans des japanischen Mittelalters stehen zwei Namen ganz oben: Taira und Minamoto. Beide Familien stammen aus der kaiserlichen Linie ab und erwarben sich fern ab vom Kaiserhof in den Provinzen Macht und Ansehen. Doch ihre Namen wurde vor allem durch die militärischen Kampagnen bekannt, die sie im Auftrage des Kaisers und der Zentralregierung erledigten. Während sich die Minamoto dabei auf die östlichen und nördlichen Provinzen konzentrierten, machten sich die Taira besonders im Westen und Süden im Kampf gegen Piraten einen Namen.

Der Ursprung der Taira kann bis zum Jahre 1006 zurückverfolgt werden, als Taira no Korehira, Sohn von Taira no Sadamori, zum Gouverneur der Provinz Ise ernannt wurde. Im Laufe seiner Amtszeit konnten die Taira ihren Einfluß zwar auch auf die Nachbarprovinz Iga ausdehnen, doch seit jenen Tagen ist dieser Zweig der Taira als Ise-Taira bekannt. Zur Zeit von Taira no Masamori, Korehira's Ur-Enkel hatten die Ise-Taira zwar auch verschiedene Ämter bei Hofe und in der kaiserlichen Garde, doch sie waren in ihrem familiären Hintergrund und sozialer Position den Kawachi-Minamoto vollkommen unterlegen. Kein Taira konnte Minamoto no Yoshii, dem großen Held der Kriege im Norden das Wasser reichen. Jedoch gewährte Ex-Kaiser Shirakawa den Ise-Taira eine außergewöhnliche historische Gelegenheit. Mit der Unterstützung von Taira no Masamori anstelle der Minamoto, begründete Shirakawa eine Beziehung zu den Taira, die dem Band innerhalb der Clanfamilien recht ähnlich war. Der Exkaiser gewährte den Taira verschiedenste politische Vorteile und konnte sich im Gegenzug auf die militärische Unterstützung des Samurai-Clans verlassen. Diese Beziehung sollte drei Viertel des Jahrhunderts andauern und drei Exkaisern (In) umfassen, Shirakawa und seine Nachfolger Toba und Goshirakawa. Unter der Schirmherrschaft des In wurde Masamori zum Gouverneur von verschiedenen Provinzen, darunter Tajima, Tangou, Bizen und Sanuki, alle westlich von Kyoto gelegen. Auch wenn Masamori nur ein „abwesender Gouverneur„ war, so konnte er doch Einfluß auf diese Provinzen nehmen und Verbindungen mit dem lokalen Schwertadel aufbauen. Beginnend mit Masamori erwarben die Taira Erfahrungen in der Seefahrt und in der Marinekriegsführung, die sie zur Sicherung der Inlandsee vor Piraten nutzten. Nach dem Tod von Masamori übernahm sein Sohn Tadamori die Führung der Ise-Taira und unter seiner Führung wurde der Clan der Taira zur stärksten militärischen Macht im Westen Japans. Doch auch am Hof stiegen die Taira weiter auf: mit der Unterstützung von Ex-Kaiser Shirakawa wurde Tadamori zum „Denjouhito“ erhoben und bekam damit das Recht, den Kaiser persönlich sehen zu dürfen.

Doch Shirakawa starb 1129. Das Amt des In übernahm nun seinen Enkel Toba, der viele politische Entscheidungen seines Großvaters rückgängig machte. Er tauschte auch einen Großteil der Berater und Beamten aus, die Shirakawa gedient hatten. Ursache waren wohl erhebliche persönlicher Differenzen, die Toba seinerzeit mit seinem Großvater hatte. Doch Taira no Tadamori konnte diesen politischen Wechsel überleben und seinen Aufstieg als Krieger und als Hofadliger unter Toba fortsetzen. Seine Position am Hofe war sogar soweit gefestigt, daß er sich diverse Freiheiten nehmen konnte. Eine Episode im Heike Monogatari beschreibt Tadamori, als er 1131 den Hof besucht. Ein Höfling fühlte sich beleidigt, daß ein Emporkömmling aus der Kriegerkaste im Palast empfangen wird und verspottet ihn in einem Wortspiel. Doch Tadamori, bereits vorgewarnt, zog ein Schwert und erschreckte damit den Höfling fast zu Tode. Später zur Rede gestellt, offenbarte Tadamori, das Schwert sei nur aus Holz. Somit hatte er nicht gegen das Gesetz verstoßen, daß Waffen am Hof verbietet. Wenn gleich diese Episode wahrscheinlich nur erfunden ist, so zeigt sie doch sehr anschaulich die Kluft zwischen Kriegern und Höflingen in der Mitte des 12. Jh. Der Hof scheint in seiner Arroganz und Verachtung das Wesen und die Macht der Kriegerkaste völlig zu übersehen. Doch Tadamori, gewarnt und einfallsreich, hatte keine Mühe, den Spieß umzudrehen.

Taira no Kiyomori

1118 wurde den Taira ein Sohn geboren, der die Zukunft des Clans entscheidend bestimmen sollte, Taira no Kiyomori. Er war zweifellos ein talentierter und hochbegabter Mann, jedoch von etwas zweifelhafter Abstammung. Offiziell war Tadamori sein Vater, doch seine Mutter war die Lieblingskonkubine des Kaiser. Tadamori hatte sie als Geschenk für seine militärischen Dienste erhalten. Neun Monate später wurde Kiyomori geboren. Es scheint nicht unwahrscheinlich, daß in den Ader des jungen Taira ein gehöriger Anteil kaiserliches Blut floß.

1146 hatte Kiyomori seinen ersten größeren öffentlichen Auftritt, auch wenn er mit diesem Vorfall nicht gerade Ruhm erwarb. Am Tage des Gion-Festivals gab es einen Zusammenstoß mit Souhei, den Kriegsmönchen. Auslöser war ein Streit zwischen einem Priester des Gion-Schreins und einem Begleiter von Kiyomori. Rache wegen der angeblichen Beschmutzung seines Namens schwörend, machte sich Kiyomori mit einigen Kriegern auf, die Priester von Gion anzugreifen. Diese waren gerade auf dem Weg zum Festival und trugen einen Mikoshi mit sich. Laut verschiedener Aufzeichnungen zeigt Kiyomori völlige Missachtung gegenüber den religiösen Symbolen der Mönche und schoß sogar einen Pfeil auf den Mikoshi ab. Dieser traf den Gong, ein Sakrileg für nah und fern. Empört über diesen Vorfall schickte der Enryaku-ji (der Gion-Schrein gehörte zum Besitz des Enryaku-ji) eine Armee von 7'000 Souhei nach Kyoto und forderten die sofortige Verbannung von Kiyomori. Einige Mitglieder des Hofadels waren schon lange eifersüchtig auf die wachsenden Popularität der Buke und insbesondere auf Kiyomori und drängten den Kaiser zur Verhängung des Urteils. Doch dem übrigen Hof schien langsam klar zu werden, daß man mittlerweile völlig vom Schutz der Samurai-Clans abhängig war und so wurde das Urteil in eine kleine Geldstrafe umgewandelt.

Anfang vom Ende

Tadamori starb 1153 und Kiyomori wurde zum Oberhaupt der Ise-Taira. Mit dem Tod von Toba im ersten Jahr der Hougen-Periode (1157-1158) endeten auch 27 Jahre seiner Dominanz am Hof als Ex-Kaiser. Die darauf folgende Krise führte zu einem kurzem bewaffneten Zusammenstoß in Kyoto, der als Hougen-Konflikt bekannt wurde. Dieses Ereignis wird üblicherweise als der Zeitpunkt betrachtet, an dem die Kriegerkaste nach der Führung des Landes greift (siehe auch Einleitung). Doch man sollte dies nicht so wörtlich nehmen. Die Entwicklung der Krieger und ihrer Ordnung war ein kontinuierlicher Prozeß, der schon weit vor dem Hougen-Konflikt begann und auch noch weit danach andauern sollte.

Die Ursache dieses Vorfalles waren Streitigkeiten innerhalb der kaiserlichen Familie. Während der Heian-Zeit wurde es Brauch, daß ein Kaiser bereits in jungen Jahren abdankt, damit ein neuer „kindlicher„ Kaiser den Thron besteigen konnte. So gab es 1150 neben dem amtierenden Kaiser Konoe zwei Ex-Kaiser, Vater und Sohn; Toba und Sutoku. Doch es war nicht gut um die Gesundheit von Konoe bestellt und so entschied man, einen Kronprinzen zu wählen, um auf das erwartete Ableben des Kaisers vorbereitet zu sein. Doch das viele kaiserliche Blut am Hof machte diese Angelegenheit nicht gerade leichter. Ex-Kaiser Sutoku wollte ein zweites Mal Kaiser werden, da er seinerzeit milde ausgedrückt „zum Rücktritt genötigt“ wurde. Doch Toba wollte den Thron für einen anderen seiner Söhne und setzte sich letztlich auch durch. Am 22. November 1155 bestieg Kaiser Goshirakawa den Thron und mit ihm begann die Hougen-Periode. Sutoku hatte sich mit dieser Situation jedoch noch nicht abgefunden und faßte, angestachelt durch Mitglieder des Fujiwara-Clans, die Möglichkeit ins Auge, den Thron gewaltsam zurückzugewinnen. Auf Unterstützung konnte er hoffen, es gab am Hof viele, die nicht mit dem übermächtigen Treiben von Ex-Kaiser Toba einverstanden waren; allen voran die Fujiwara-Regenten, die durch die zweite Regierungskammer des In erheblich in ihrer Macht eingeschränkt wurden. Daneben gab es auch die Kriegsmönche und, nicht zu vergessen, die Samurai-Clans. In aller Stille suchte Sutoku Verbündete. Doch just in diesem Augenblick, am 20. Juli 1156 starb Ex-Kaiser Toba und das Unheil nahm seinen Lauf.

Der erste Windhauch

Als Sutoku voll ehrlicher Trauer am Begräbnis teilnehmen wollte, fing man ihm bereits am Eingang ab und teilte ihm mit, daß er nicht an der Zeremonie teilnehmen könne. Laut dem letzten Wunsch seines Vater sei kein Platz für ihn vorgesehen worden. Sutoku, zutiefst beleidigt, schickte sofort Botschaften an die Samurai-Clans, die ihm ihre Unterstützung versichert hatten und bat darin, so schnell wie möglich Truppen nach Kyoto zu entsenden. Eine ähnliche Mitteilung ging auch an die Kriegsmönche nach Nara. Die Clans des Schwertadels reagierten auf die Botschaft von Sutoku und auch auf die Botschaft, die wenig später von Kaiser Goshirakawa entsandt wurde. Doch die Parteien gruppierten sich nicht nach Clans, sondern nach den persönlichen Beziehungen zwischen Hofadel und Schwertadel. Alle bedeutenden Lager Japans wurden in diesem Konflikt tief zerrissen: die kaiserliche Familie, die Fujiwara-Regenten und die Krieger-Familien der Ise-Taira und Kawachi-Minamoto. Alle diese Gruppen formten zwei Lager mit jeweils dem früheren Kaiser Sutoku und seinem jüngeren Bruder, dem regierenden Kaiser Goshirakawa an der Spitze. Sutoku wurde unterstützt von Fujiwara Tadazane, dem Oberhaupt des Fujiwara-Clans und seinem Sohn Yorinaga, den Tadazane als seinen Nachfolger bestimmt hatte. Goshirakawa konnte Fujiwara Tadamichi, den amtierenden Regenten und älteren Bruder von Yorinaga auf seiner Seite wissen. Eigentlich war es üblich, daß Oberhaupt der Fujiwara und Regent ein und die selbe Person sind. Die Aufteilung dieser Positionen auf die beiden Brüder ist schon ein Zeichen für gewisse Differenzen innerhalb des Fujiwara-Clans.

Bei den Ise-Taira gab es weniger Diskusionen, als sich Kiyomori mit den meisten anderen Anführern Goshirakawa anschloß. Nur Tadamasa, Kiyomori's Onkel stellte sich auf die gegnerische Seite. Die Kawachi-Minamoto jedoch wurden zwischen den Lagern von Goshirakawa und Sutoku regelrecht zerrissen. Nach dem Tod von Yoshiie im Jahre 1106 und dem unehrenvollem Ende von Yoshichika verloren die Minamoto fast ihren gesamten Einfluß am Hof an die Ise-Taira. Während die Taira unter Masamori und Tadamori ungehindert aufstiegen, schmachteten die Minamoto und ihr Oberhaupt Tameyoshi ein Dasein im Schatten der Geschichte. Dem Pfad seiner Vorfahren folgend, war Tameyoshi Samurai von Fujiwara Yorinaga geworden und auf der Basis dieser Beziehung folgte er seinem Herren in das Lager von Sutoku. Mit Tameyoshi kamen auch seine Söhne; unter ihnen Minamoto no Tametomo. Er sollte zum Helden des Hougen-Konfliktes werden. Doch nicht alle Minamoto folgten Tameyoshi. Zu seinem Sohn Yoshitomo hatte er schon länger schlechte Beziehungen und dieser zog es vor, sich der Entscheidung seines Vaters zu wiedersetzten und sich dem Lager von Goshirakawa anzuschließen. Während Tameyoshi die meiste Zeit seiner Karriere in Kyoto verbrachte und laut eigener Aussagen, wie in Hougen Monogatari berichtet „nicht eine einzige Schlacht geschlagen„ hatte, war sein Sohn Yoshitomo ein Mann, „erzogen im Bandou, der sich auszeichnet auf dem Weg der Tapferkeit (buyuu no michi)“. Yoshitomo war auch der erste, der in das Lager von Goshirakawa ritt und er wurde von den wichtigsten Vasallen der Kawachi-Minamoto begleitet, insgesamt 400 ausgewählte Samurai. Am 29 Juli traf das Kontingent der Taira unter Kiyomori ein. Innerhalb von 10 Tagen nach dem Tod von Ex-Kaiser Toba hatten sich die Trauernden in zwei Lager gespalten, Goshirakawa im kaiserlichen Palast und Sutoku im Shirakawa-den, einer drei Kilometer entfernten alten kaiserlichen Residenz. Dort hielt Sutoku Kriegsrat, geleitet von Minamoto no Tameyoshi und seinem Sohn Tametomo. Letzterer war zwar erst 17 Jahre alt, er soll aber über 2 Meter groß gewesen sein und schier unglaubliche Kraft besessen haben. Sein Bogen war 2,60 m lang und man brauchte 3 gewöhnliche Leute, um ihn zu spannen. Wegen einer Laune der Natur oder aufgrund übermäßigen Trainings war sein linker Arm 10 cm länger als sein rechter, dadurch konnte er den Bogen noch weiter auszuziehen und die Pfeile mit gewaltiger Kraft abzuschießen. Tametomo besaß darüber hinaus enormes Selbstvertrauen und machte den Vorschlag, einen nächtlichen Überraschungsangriff auf den Palast zu starten: „Es gibt wahrscheinlich nicht einen einzigen tapferen Mann bei den Truppen des Kaisers außer meinem Bruder Yoshitomo, doch wenn er sich mir in einem Zweikampf stellt, wird er zweifellos verlieren. Bedeutungslos sind da die schwachen Pfeile von Männern wie Kiyomori. Ich würde sie mit den Ärmeln meiner Rüstung abwehren oder mit den Füßen beiseite stoßen!".

Doch der weise Ratschlag von Tametomo verhallte ohne Wirkung im Shirakawa-den. Der militärische Ratgeber von Sutoku, Fujiwara Yorinaga, bevorzugte eine vorsichtigere Strategie. Man solle warten, argumentierte er, bis die Truppen am Morgen durch Souhei aus Nara verstärkt würden. Tametomo mußte sich letztlich der höheren Autorität beugen, doch er wußte wahrscheinlich, daß diese Entscheidung den Untergang bedeutete. Weder der Morgen noch die Mönche würden kommen, die Mönche könnten sich auch auf die Seite des Gegners stellen und Tametomo ahnte, daß der vorgeschlagene Nachtangriff von der Gegenseite bereits vorbereitet wurde und kurz bevor stand.

Sieg und Niederlage

Und so begann der Kampf. Der Hougen-Konflikt wurde in einer einzigen kurzen Schlacht entschieden: ein Angriff vor Sonnenaufgang durch die Truppen von Goshirakawa auf das Lager von Sutoku im Nordosten von Kyoto am „elften Tage des siebenten Monats im ersten Jahr Hougen" (29. Juli 1156).

Die Chronik zu diesem Ereignis, Hougen Monogatari gibt detaillierte Beschreibungen der Schlacht. Der Kampf wurde ehrenvoll geführt, alle klassischen Elemente der Kriegsführung wurden geachtet. Es gab aber auch einige Kuriositäten. So hatten der Gigant Tametomo, als er auf den nächtlichen Angriff wartete, einen Streit zwischen seinen Brüdern zu schlichten. Diese konnten sich nicht einigen, wer als Erster den Feind bekämpfen darf. Dies ist die erste schriftliche Referenz zu dem kontinuierlichem Wettstreit der Krieger, „Erste in der Schlacht„ (sakigake, senjin) zu sein. „ware saki ni“ - „Ich zuerst!" sind Worte, die in vielen Kriegsgeschichten zu finden sind. In diesem Fall stellte Tametomo jedoch klar, daß er selbst den Hauptangriff abwehren würde.

Auf der Seite der Gegner sorgte Kiyomori für Aufsehen. Er erinnerte sich, daß an diesem speziellen Tag, dem 11. nach dem Mondkalender, Osten eine Richtung ist, die Unglück bedeutet. Also wechselte er die Flanke und führte seinen Angriff von Süden aus, damit er seine Pfeile nicht in Richtung Osten abschießen mußte.

Laut der Chronik begann die Schlacht mit Kriegsgeschrei und dem üblichen Nanori (Namen-Rufen), bei dem die Krieger Abstammung und persönliche Leistungen vorbrachten. Danach folgte ein Duell von Bogenschützen in der Dunkelheit, bei dem Tametomo große Aufregung verursachte, als er einen Pfeil glatt durch einen Krieger hindurch schoß, um einen zweiten zu treffen. Tametomo verteidigte das Westtor gegen seinen Bruder Yoshitomo. Tametomo hoffte, seinen Bruder zum Rückzug bewegen zu können und schoß einen Pfeil auf dessen Helm ab, doch der Pfeil prallte ohne Wirkung an einer Niete ab. Er wollte gerade einen zweiten Pfeil abfeuern, als er von zwei Samurai angegriffen wurde, die sich wie folgt vorstellten: „Wir sind Ooba Kageyoshi und Saburou Kagechika, Nachfahren von Kamakura Gongorou Kagemasa, der im Alter von 16 Jahren am Drei-Jahres-Krieg teilnahm. Bei dem Angriff von Hachiman Tarou (Minamoto mo Yoshiie) auf die Festung von Kanezawa in der Provinz Dewa traf ihn ein Pfeil im linken Auge....Doch er zog den Pfeil heraus und schoß einen Antwortpfeil auf den Schützen ab und tötete den Feind." Kein Zweifel, jeder Abkömmling von Kamakura Gongorou war ein würdiger Gegner für Tametomo. Er wählte einen Kabura-ya (Rübenpfeil) und schoß ihn auf die Kontrahenten. Der Pfeil machte einen ohrenbetäubenden Lärm, als er auf Ooba Kageyoshi zuflog und sein linkes Bein oberhalb des Knies abtrennte. Der Pfeil flog weiter und traf dessen Pferd, wo der Kopf des Pfeils zerschellte. Saburou Kagechika konnte nur noch von seinem Pferd springen, um zu verhindern, daß der Kopf von Kageyoshi genommen wird und trug seinen verwundeten Kameraden davon.

Als Minamoto no Yoshitomo erkannte, daß sein Vater und Bruder auf eine lange und erbitterte Verteidigung vorbereitet waren, gab er den Befehl, Shirakawa-den in Brand zu setzen. Es hatte seit Wochen nicht geregnet und der Wind stand günstig. Das Gebäude brannte wie Zunder und bald beleuchtete die Glut des brennenden Palastes den Himmel in weitem Umkreis. Den Verteidigern blieb nur die Flucht (die Tradition des rituellen Selbstmordes sollte sich erst später entwickeln). Doch die fliehenden Anhänger von Sutoku waren im Schein des brennenden Shirakawa-den ein leichtes Ziel für die Bogenschützen des Gegners. Fujiwara Yorinaga, der Sutoku von einem Nachtangriff abgeraten hatte, fiel auf diese Weise. Die anderen hohen Anführer wurden gefangengenommen, einschließlich Sutoku, Taira Tadamasa und die Minamoto, Tameyoshi und Tametomo. So endete der kurze aber blutige Hougen-Konflikt. In dem Kampf waren nicht viele Krieger verwickelt, der siegreiche Goshirakawa hatte schätzungsweise 600 Mann, Sutoku bedeutend weniger. Auch wenn die direkten Auswirkungen auf die politische Situation nur kurz und ohne größere Bedeutung war, so konnten sich die Samurai doch als Bestandteil der Hofpolitik etablieren.

Die Frage war nun, wie mit den Gefangenen zu verfahren war. Von den Taira stand nur Kiyomori's unpopulärer Onkel Tadamasa auf der Verliererseite, dessen Exekution Kiyomori voller Schadenfreude anordnete. Nicht zuletzt sollte dies ein eindeutiges Zeichen an Yoshitomo sein, doch konnte dieser die Hinrichtung seines eigenen Vaters und seiner Brüder befehlen? Wenn nicht, dann würde Kaiser Goshirakawa diese Aufgabe an Kiyomori übergeben. Yoshitomo bat wiederholt um das Leben seines Vaters, doch der Hof (Kaiser Goshirakawa) forderte unerbittlich die Exekution. Also erteilte Yoshitomo seinen Leuten mit allergrößtem Bedauern den Befehl, seinen Vater und neun seiner Brüder hinzurichten. Allein über das Schicksal von Tametomo wurde ein Kompromiß ausgehandelt; er wurde verbannt, doch als Vorkehrung wurden die Sehnen seiner Arme zerschnitten, damit er nie wieder einen Bogen führen konnte. Um etwas vorzugreifen; in den Jahren des Exils heilten seine Arme wieder und Tametomo schoß seinen letzten Pfeil auf ein Schiff voller Taira-Krieger ab. Der Pfeil schlug durch die Bordwand unterhalb der Wasserlinie und versenkte das Schiff mit Mann und Maus.

Ex-Kaiser Sutoku wurde ebenfalls verbannt Er starb 1164 in die Provinz Sanuki auf Shikoku (der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln).

Die Hinrichtungen steigerten das Entsetzen über den Hougen-Konflikt. Sein dem 9. Jh hat es in Kyoto keine Exekution mehr gegeben und außerdem befand man sich immer noch in der Trauerzeit wegen dem Ableben von Ex-Kaiser Toba. In Trauerzeiten waren Hinrichtungen noch niemals ausgeführt worden. Doch die Anordnungen des Kaisers waren eindeutig; 70 Anhänger von Sutoku fanden ihr Ende in Rokujou-ga-hara.

Dunkel Wolken am Horizont

Der Kaiser war nun rundum gesichert. Es war sein Triumph, doch die Neuverteilung der Macht führte auch zu neuen Spannungen. Taira Kiyomori erfreute sich eines grandiosen Aufstieges bei Hofe. Kiyomori hatte weit mehr politische Ambitionen als militärische und er begann, die Fujiwara in ihrem seit Jahrhunderten geübten Spiel der Kuppelei auszuspielen. In Zukunft, so hoffte Kiyomori würden die Frauen und Konkubinen des Kaisers aus dem Hause Taira stammen. Es gab natürlich auch noch Minamoto am Kaiserhof, diejenigen, die 1156 die richtige Seite gewählt hatten. Doch der von Selbstvorwürfen geplagte Yoshitomo war ohne politischen Gönner. Die Taira hatten sich fast alle wichtigen Ämter am Hof gesichert und vereinnahmten sogar den Kaiser für sich. Die Fujiwara würden eine solche Einmischung zwar nicht ohne weiteres hinnehmen, doch sie hatten zunächst Differenzen innerhalb ihres eigenen Clans zu lösen. Natürliche Verbindungen boten sich zwar an, aber es war abzusehen, daß die gegensätzlichen Interessen der möglichen Verbündeten in dieser Welt voller Widersprüche nichts Gutes bedeuten konnte