Lange Klingen - Naginata

Naginata - Teil 1 Eine der frühesten, klassischen Kriegerwaffen Japans, die mit ihrer Technik die Zeit bis heute überdauert hat, war die Naginata (Langes Schwert). Ihr Name mag etwas verwirren, handelt es sich bei dieser Art doch eher um eine Hellebarde als um ein Schwert. Die schneidenden Bewegungen dieser Waffe und die schwertähnliche Form ihrer Klinge schien die Samurai jedoch bewogen zu haben ihr diesen Namen zu geben. Manche Fachleute ordnen diese Schwertlanze unter der Kategorie „Speere“ ein. Andere Techniken, separate Entwicklung und ihr Rang im System der Kriegskünste empfehlen aber eine eigenständige Behandlung dieser typisch, japanischen Waffenform.

Die genauen Daten eines ersten Aufkommens der Naginata sind heute unbekannt. Es ist allerdings erwiesen, daß die buddhistischen Mönchskriegerorden (Sohei) der Tendai- und Ikko- Richtung diese Waffe bereits kannten als sie im 11. Jhdt. vom weltlichen Militär übernommen wurde. Sie waren die ersten Kriegerverbände, welche sich im Gebrauch mit der Schwertlanze übten. Manche Fachleute setzen die Ursprünge dieser Waffe nach China. Ob die Naginata vom chinesischen Festland übernommen wurde oder die Schwertlanze eine eigenständige japanische Entwicklung war, ist jedoch unklar.

Sohei mit Naginata Typischer Kriegsaufzug eines Mönches der frühen japanischen Geschichte. Die Bewaffnung besteht aus Tachi (Schwert) und Nagemaki oder Naginata. Die Rüstung setzte sich meist aus Brustpanzer und Hüftschutz (Haramaki oder Do maru) zusammen. Helme und schwere Panzer wurden weniger benutzt.

Über der Rüstung trugen die Sohei eine schwarze Mönchskutte aus leichter Gaze - der geschorene Kopf wurde durch ein meist weißes Tuch bedeckt.

Religion und Militär ging in Japan parallele Wege, wie man dies etwa auch von den selbstständig operierenden Ritterorden des Westens kannte.

Ihre Heere bildeten eine starke Konkurenz zu den Samuraiverbänden der einzelnen Fürstentümer. So stand z.B. die alte Kaiserstadt Kyoto lange unter dem Einfluß der benachbarten Klöster und ihrer Mönchskrieger.

In der Heian- und Kamakura-Zeit führte man diese Schnittwaffe noch unter dem Namen Nagemaki , was sich in etwa mit „langer Wicklung“ oder „langer Bindung“ übersetzen läßt. Ihre Form unterschied sich insoweit von den modernen Naginata (Langes Schwert), daß sie in der Gesamtlänge wesentlich kürzer gefertigt wurden. Ihre Maße entsprach in etwa der Körpergröße eines Kriegers, also 150 bis 200 cm. Die Proportionen zwischen Klinge und Griff lagen bei jeweils 50 %, im Gegensatz zur Naginata mit einem längeren Schaft und einer deutlich kürzeren Klinge. Teils über 100 cm lang, hatten die alten Nagemaki-Klingen noch mehr das Aussehen von realen Schwertern und noch nicht die spätere, typische Form mit der breiten Spitze. Einige Exemplare wurden sogar mit ganz gerade Spitze ausgeführt und es ist nachweisbar, daß die Entwicklung von herkömmlichen Schwertern und Schwertlanzen über lange Zeit parallel verlief. Dies erklärt die verschiedenen Arten von Nagemaki in den frühmittelalterlichen Epochen und erst in der Muromachi-Zeit erfolgte eine richtige, eigenständige Entwicklung von Naginata-Klingen. Die Schäfte der Schwertlanzen in der Heian- und Kamakura-Periode wurden meist diagonal mit Bändern umschnürt oder ähnlich einem Schwertgriff kreuzweise mit einer Kordel gebunden - daher auch der Name „lange Wicklung“. Das Verwenden von Tsuba (Stichblättern), wie bei Schwertern, war nur bei einer einzigen Nagemakiform üblich, die man deshalb auch Tsuba Nagemaki nannte. Meist stattete man die Schwertlanzen jedoch nicht mit dieser Art Handschutz aus. Wieder andere Varianten ordnete man ihrer extremen Größe wegen in O Nagemaki (Große Langwicklung) und Ko Nagemaki (Kleine Langwicklung) ein. Man kann viele dieser legendären Schwertlanzen auf Bildrollen der damaligen Zeit bewundern, leider sind kaum Exemplare dieser alten Waffen erhalten geblieben. Einige Tempel in Japan haben jedoch Klingen aus der Kamakura-Zeit aufbewahrt, so daß man heute auch Rückschlüsse auf die Entwicklung der Schwertlanze in diesen frühen Perioden ziehen kann.

Naginata (von oben nach unten)

Nagemaki · Nagemaki und Saya · Ko Nagemaki · Naginata · O Nagemaki

Im Gegensatz zum Schwert war die Naginata von Anfang an eine einschneidige Waffe, welche parallel zu Schwertklingen von speziellen Schmieden gefertigt wurde. Manche der oben beschriebenen Tempelorden des frühen Mittelalters hatten sogar ihre eigenen Schmiede, die nur ihre Tempel mit Waffen versorgten. So waren z.B. die berühmten Schmiede der Yamato-Schule in Kyoto Hauptlieferant der Bergtempel zwischen den Städten Kyoto und Nara. Fast alle erhalten gebliebenen Klingen dieser Schule, ob Naginata oder Tachi, waren keine Samurai- sondern Sohei-Waffen, welche den Kriegern des Fürsten Oda Nobunaga (1534 - 1582) beim Zerstören der Tempel im 16. Jhdt. in die Hände fielen. Die Kamakura-Epoche blieb jedoch die Blüte dieser Waffe, welche nach den Mongoleneinfällen und der damit verbundenen Heeresreform mehr in die Hände der Fußsoldaten (Ashigaru) überging. Der Schaft wurde länger, um die Reichweite, besonders gegen berittene Krieger, zu vergrößern. Um das Gewicht herabzusetzen und die Handhabung zu erleichtern verkürzte man im Laufe der Zeit auch die Klingen der Naginata. Die Schneiden wurden auf 70 bis 80 cm beschränkt und der Spitze der Klinge schon die typisch, breitere Naginataform gegeben. Diese Art war vor allem in der Nambokuchoperiode, also Ende des14. Jhdt., verbreitet. In der folgenden Muromachi-Epoche kürzte man die Klingen abermals und die Schneidenform wurde etwas einfacher. Naginata dieser Zeit gelten heute als absolute Kostbarkeiten. Sie besitzen Klingen von hervorragender Qualität und extremer Schärfe. Die Spitze der Schneide wurde noch etwas breiter, was dem vorderen, schneidenden Teil (Monouchi) noch mehr Kraft und Stabilität gab. Zur gleichen Zeit nahm man ebenfalls eine stärkere Krümmung dieses Teil vor (Saki zuri), welche die Effektivität des Schnittes schon durch ihre bloße Formgebung verstärkte. Diese Waffen waren fast ausschließlich für adlige Krieger gefertigt worden, die immer noch den Umgang mit dieser traditionellen Art der Kampfkunst pflegten.