Die Götter im Dojo

Traditionelle Kriegskunst und Religion (bzw. Mystizismus) sind eng verbunden. Nach dem Glauben der Samurai war das Leben nicht nur von der Fertigkeit im Waffenhandwerk sondern auch von der Gunst der Götter abhängig. Aus diesem Grund enthielt jedes Dojo (Übungshalle) einen eigenen Shinden (Göttersitz), auf dem geopfert wurde und der noch heute in vielen Budokünsten oder Kampfsportarten imaginär vor jedem Training angegrüßt wird.

Der folgende Text beschreibt den detaillierten Aufbau und die Bedeutung eines historischen Shinden, wie er in klassischen Dojo zu finden ist...

Namen und Bedeutungen von Ausrüstungen des Shinden

Shimenawa: „eingefasstes Seil“

Ein Symbol, das einen heiligen Platz kennzeichnet. Es ist ein Strohseil, an dem vier speziell geschnittene Papierstreifen hängen. Das Seil wird mit dem dicken Ende auf der rechten Seite aufgehängt, wenn man dem Kamidana gegenübersteht.

Kagami: „Spiegel“

Der ,,göttliche Spiegel" deutet reines Licht an, das das helle, klärende Licht der Götter ausdrückt sowie die Wahrheit und den Verstand, frei von allen Befleckungen.

Sakaki: „heiliges Holz“

Dies bedeutet gedeihendes Holz, welches gänzlich dem Göttlichen dient, platziert innerhalb des ,,Sakaki stands". Es wird das Holz eines immergrünen Baums benutzt.

Goshikinuno: „fünfarbiges Tuch“

Dieses wird auch Ma-Sakaki genannt und veranschaulicht drei göttliche Gefäße.

Tomyo: „heiliges Licht“

Dessen Bedeutung ist es, zu erleuchten und zu läutern mit Hilfe eines reinen Feuers.

Osonaemono: „Opfer“

Sachen, die jeden Morgen geopfert werden:

1. Reis (gewaschener, ungekochter oder gedämpfter Reis),

2. Wasser,

3. Salz am Ersten des Monats, Produkte aus den Bergen und dem Meer jeweils am Fünfzehnten. Zu den Festzeiten werden Sake oder der erste Reisernteertrag geopfert.

Kagaribitate: „Feuerbeobachtungsposten“

Wie das Shinden geweiht wird:

Eine allgemeine Einleitung

„Kamidana“

ist ein Altar, der sich in einem Haus der Anbetung der Götter befindet; es ist ein Platz, wo man Gofu (Karten und Papiere, die einen göttlichen Schutz gegen Not­stand und Unglück geben) aufhängt, die von einem Schrein empfangen wurden. Es ist unklar, wann Kamidanas erstmals gebaut wurden, aber der Bau von Schreinen begann Mitte des 6. Jahrhunderts.

„Kamiza“

ist der Sitz, wo höhergestetite Leute oder Gäste sitzen, am weitesten weg vom Eingang, vor der „Tokonoma“-Nische in Japan oder vor dem Kamin in Räumen der westlichen Bauart (es kann auch als „Jousa“ bezeichnet werden).

Masse und Materialien des Kamjdana:

Länge: 3 shaku, 6,5 sun (3 Fuss,  8 Zoll; bedeutet 366 Tage)

Breite:   1 shaku, 2 sun (1 Fuss, 2 1/2 Zoll; bedeutet 12 Monate)

Dicke:   1 sun (11/4 Zoll; bedeutet 1 Jahr)

Das Holz ist eine einzelne Planke der japanischen Zypresse ohne Zeichnungen oder Astlöcher.

Wo man die Kamidana plaziert:

a. In Richtung Süden oder Osten

b. Nie über einen Eingang oder einen Ausgang platzieren. Die Absicht ist, dass Menschen nicht beim Hereinkommen und Hinausgehen unter der Kamidana durchgehen können.

Auf die Kamidana gestellte Sachen:

Wie in der Beschreibung, aber mindestens ,,Yashiro„, ,,Shimenawa“, ,,Sakaki„ und ,,Tomyo“ sind wünschenswert.

Copyright: Jissen Kobudo Jinenkan und Fumio Manaka