die Ursprünge der Itto ryu
Das wilde Kind
Das Szenario scheint einem alten KorosawaFilm entlehnt zu sein:
Banden von Räubern und marodierenden Kriegern nutzen die günstige Zeit des in sich zerstrittenen japanischen Reiches Ende der Sengoku-Zeit (ca. 1470 ca. 1570), um auf eigene Rechnung Dörfer zu tyrannisieren, Reisende zu überfallen und von der einfachen Landbevölkerung zusätzlich Abgaben zu erpressen. Die Dorfbewohner, Leidtragende des auf Ihrem Rücken ausgetragenen Bürgerkrieges, können diesen aggressiven Banden nicht viel entgegensetzen und fügen sich in ihr Schicksal um wenigstens das Leben ihrer Familien zu schützen.
So auch an dem Tag, als eine Gruppe von 6 Räubern auf dem Dorfplatz der kleinen Küstensiedlung Itou (südlich der Tokyo Bucht) ihre Forderungen an die Bauern stellt. Statt der erhofften Beute finden sie dort allerdings nur einen zerlumpten Jungen von 14 Jahren, der ihnen völlig allein, und mit einem alten Schwert aus dem Besitz des örtlichen Tempels bewaffnet, entgegentritt...
(nach Überlieferungen der Itto ryu)
Der Name des Jungen war Yagoro, ein wilder Bursche, der seit einiger Zeit unter der Voliere des nahen Mishima-Tempels schlief und den Dorfbewohnern vor allem durch sein ungepflegtes Äußeres bekannt war und daß er die meiste Zeit des Tages mit selbst erdachten Fechtübungen und einem Stock verbrachte. Er war ein Waisenkind, daß eines Tages auf einem Bündel Treibholz am Strand aufgefunden worden war und das von sich behauptete, von der 30 km entfernten Insel Oshima herüber geschwommen zu sein. Oshima fungierte zu dieser Zeit vor allem als Verbannungsort und Exil für politische Gegner des lokalen Fürstenhauses und es ist anzunehmen, daß der Junge ein Abkömmling eines der dortigen, verbannten Kriegerfamilien war.
Alte Aufzeichnungen geben nach japanischer Zeitrechnung Tenmon 19 (1550) als sein Geburtsjahr an. Über seine wirkliche Herkunft gibt es jedoch keine sicheren Hinweise ebenso wie auf den Verbleib der 6 Räuber von Itou. Belegt ist lediglich, daß die Dörfler den Jungen nach diesem Zwischenfall großen Dank schuldeten und ihn bei seinen Bestrebungen, das Dorf Richtung Edo (heute Tokyo) zu verlassen, unterstützten. Vom Abt des Mishima-Tempels bekam er das im Duell mit den Räubern benutzte Schwert, als Geschenk überreicht, welche er bis zum Ende seiner Laufbahn führen sollte.
Seine erste Station auf dem Weg nach Edo führte ihn zur Küstenstadt Kamakura besser gesagt zum dortigen Shinto-Schrein Tsurugaoka Hachimangu. Dieser religiöse Ort galt seit alters her als Hausschrein der berühmten Minamoto-Kriegerfamilie und pflegte so enge Verbindungen zum Waffenhandwerk und den militärischen Künsten. Wie es die alten Überlieferungen beschrieben, wollte Yagoro hier auch zu den Göttern der Kriegskünste beten, meditieren und sich in den Techniken des Schwertkampfes üben. Und so verbrachte er sechs Tage und Nächte mit asketischen Übungen und hoffte auf eine Erleuchtung, als es in der siebenten Nacht zu einem bedeutenden Zwischenfall kam. Ohne Vorwarnung und ersichtlichen Grund wurde er von einem Unbekannten rücklings aus der Dunkelheit angegriffen. Yagoro handelte spontan, als er sein Schwert zog und den Gegner in seinem Rücken mit einem einzigen Hieb niederstreckte. Die Erfahrungen mit diesem einzelnen Angriff sollten den Grundcharakter seines zukünftigen Fechtstils maßgebend beeinflussen das Entwickeln einer Kampftaktik, die in einer Bewegung Reaktion und Aktion verband. Viele traditionelle Systeme basieren auf Technikabläufen, welche dem Grundsatz von Abwehr und Konterangriff unterliegen. In Yagoros Kampfsystem beinhaltet die Bewegung der Klinge beides zugleich ein einzelner Schwertstreich stoppt sowohl die feindliche Waffe, als daß er auch den Gegner unter Kontrolle bringt. Ein Fechtsystem, was starke mentale, als auch physische Kraft des Kriegers voraussetzt und höchste Ansprüche an Timing und ein gutes Auge setzt.
Die Itto ryu
Als Yagoro Edo (Tokyo) erreicht, gelingt es ihm, in der Chujo ryu von Kanemaki Jisai als Schüler akzeptiert zu werden, welcher er 5 Jahre lang angehört. Kanemakis Fechttradition geht auf die Toda ryu zurück und gilt zu seiner Zeit als eine der renommiertesten Fechtschulen in Edo. Den Überlieferungen nach mauserte sich Yagoro in recht kurzer Zeit zu einem der besten Schüler Kanemakis, welchen er zum Abschluß seiner Ausbildungszeit sogar zweimal in einem freundschaftlichen Duell besiegen konnte. Yagoro verließ daraufhin die Schule um seine Erfahrungen im Schwertkampf auf Kriegerwallfahrt (Musha shugyo) zu vervollkommnen und seinen eigenen Stil zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt änderte er seinen Namen in Ito Kagehisa und gab seinem Fechtstil den Namen Itto ryu. Der Name seiner Ryuha ist eine Anlehnung an das Grundprinzip seines Fechtsystems, welcher wörtlich ein Schwert bedeutet, im übertragenen Sinne aber auch als mit einem einzigen Schwertstreich interpretiert werden kann.
Es wird gesagt, daß Ito Kagehisa sich auf seiner Wanderschaft in zahlreichen Duellen auszeichnete, ehe er sich in Kyoto niederließ, wo er ein eigenes Dojo eröffnete und erstmals auch eigene Schüler unterrichtete. Hier erhielt er zusätzlich den Namen Ittosai (Geweihter des einen Schwertes), als Bezug auf die von ihm gegründete Fechttradition. Es heißt, er brachte es in Kyoto zu einigem Wohlstand und konnte für damalige Verhältnisse recht einträgliches Leben führen.
Doch lange konnte er sich seiner Erfolge nicht erfreuen. Nach einem nächtlichen Mordanschlag im Vergnügungsviertel der Hauptstadt, bei dem er 8 Angreifer in Notwehr töten mußte, verließ er Kyoto wieder, um erneut auf Wanderschaft zu gehen. Die Gründe für den Anschlag gegen Ito Ittosai Kagehisa wurden nie bekannt. Es scheint aber ausgeschlossen, daß es sich um einen herkömmlichen Raubüberfall gehandelt hat. Vielmehr liegt es nahe, daß es sich um eine geplante Aktion einer rivalisierende Fechtschulen gehandelt hat, da in der Hauptstadt Kyoto schon viele ältere Traditionen fest etabliert waren und Neuankömmlinge und Konkurrenz wohl eher nicht willkommen waren. Dies würde auch erklären, warum Ito die Stadt verließ, da es für ihn wohl auf der Hand lag, daß er auf längere Zeit nicht in Ruhe in Kyoto leben könne.
Seine neue Reise führte ihn Richtung Osaka, wo er am Fluß Yedo von einem Fährmann zum Duell gestellt wurde. Ito konnte den Fährmann namens Zenki besiegen, welchen er anschließend als Schüler akzeptierte. Zenki sollte für längere Zeit sein favorisierter Student bleiben, dem er nach einigen Jahren sogar die Leitung seiner Schule überließ um auf seine 3. Kriegerwallfahrt zu gehen. In der Provinz Awa (Chiba) schließt sich ihm, ebenfalls nach einem Duell, ein junger Krieger namens Mikogami Tenzen an, der dafür sogar seine sichere Stellung beim Fürstenhaus Satomi, den Daimyo von Awa, kündigt, um mit Ito weiterziehen zu können. Das Duell zwischen Ito und Tenzen ist allein deshalb interessant, weil die Wahl der Waffen recht außergewöhnlich gewesen sein soll. Während Tenzen mit einem herkömmlichen Holzschwert bewaffnet war, suchte sich Ito ein einfaches Stück Feuerholz von ca. 30 cm Länge und gewann trotzdem (jap. Duelle unterlagen zu keiner Zeit der Geschichte einem ähnlichen Verhaltenskodex wie westliche Zweikämpfe, welche Waffengleichheit der Kontrahenten voraussetzten).
Schließlich wird Mikogami, neben Zenki, Ito Kagehisas favorisierter Schüler und beide werden von ihm als eventuelle Nachfolger seiner Itto ryu in Erwägung gezogen. Diese Unentschiedenheit auf Seiten Itos führt schließlich zur offenen Rivalität der beiden Männer, die Ito letztendlich durch einen Zweikampf zu entscheiden versucht.
Das Erbe der Itto ryu
In Sawara, östlich des heutigen Tokyo, erzwingt Ito Kagehisa im Jahr 1588 die Entscheidung zur Zukunft seines Fechtsystems. Ito ist inzwischen 38 Jahre alt, als er das Erbe seiner Schule an seine Schüler abgeben will. Er überläßt Zenki und Mikogami die Wahl, wie das Duell zwischen beiden Schülern ausgetragen werden soll beide entscheiden sich für einen Kampf mit echten Schwertern. Dieser Entschluß verdeutlicht, daß beide Männer den Ausgang des Zweikampfes nicht nur als finale Entscheidung für die Fechtschule, sondern auch für ihr persönliches Leben sahen. Das Los der Itto ryu wurde in ihrer beide Hände gelegt, aber nur einer von ihnen konnte das Erbe letztendlich antreten.
Der Kampf wurde für den nächsten Morgen auf einem Koganegahara genannten Flurstück bei Sawara angesetzt. Ito Ittosai Kagehisa hatte sich einen Platz gesucht, von wo er das Duell beobachten konnte. Seine alte Klinge und eine von ihm verfaßte Schriftrolle mit den Aufzeichnungen seiner Itto ryu wurden als Schulerbe auf einem Fächer abgelegt, welches der Sieger des Kampfes erhalten sollte. Insbesondere die Schriftrolle mit dem Wissen der Schule (Makimono) berechtigte den Besitzer, die Schule im Namen ihres Gründers als legitimer Nachfolger weiter führen zu dürfen.
Der Zweikampf der beiden Schüler begann mit einem gegenseitigen Belauern und der Hoffnung eine Lücke in der Position des Gegners zu entdecken. Einige Zeit schien keiner der beiden Kontrahenten einen Vorteil erzielen zu können, als Zenki plötzlich vom Kampfplatz flieht. Ito und Mikogami sind zunächst fassungslos, bis sich Zenki im vollen Lauf das Makimono greift und damit zu entkommen versucht. Es läßt sich heute nur spekulieren, daß es in diesem Augenblick eine Kurzschlußreaktion Zenkis war, was ihn zu dieser Tat veranlaßte, denn so lange Ito Kagehisa noch am Leben war, konnte sich Zenki nirgendwo als offizieller Nachfolger der Itto ryu ausgeben selbst nicht mit den rechtmäßigen Schriftrollen. Doch soweit kam es nicht. Mikogami verfolgte Zenki und konnte ihn unweit des Kampfplatzes stellen, wo er ihn mit dem Schwert niederstreckte. Somit wurde er zum rechtlichen Nachfolger von Itos Fechtschule und sein Leben sollte unter seinem neuen Namen Ono Jiroemon Tadaaki ebenso legendär und berühmt werden, wie das seines Lehrers Ito Ittosai Kagehisa. Auf der Grundlage der Itto ryu gründete er später seine eigene Fechtschule, die Ono ha itto ryu (Ono Zweig der Itto ryu), die im Dienst des zukünftigen Shogun Tokugawa Ieyasu sogar zur Hausschule des Shogunats aufstieg (zusammen mit der Yagyu shinkage ryu) und somit den Grundstein für eines der einflußreichsten Fechttraditionen in der Edo-Periode (1603 - 1867) legte.
Ungeachtet dessen ist die Itto ryu heute eines der weitverbreitetsten alten Schwertschulen in Japan, welche mit einer großen Anzahl eigener Zweige aufwarten kann und unzählige berühmte Fechtmeister hervorgebracht hat:
Kotouda Kageyou Saemon Toshinao (Kotouda itto ryu)
, Itto Seibee Tadakazu (Mito ha itto ryu)
, Ono Jiroemon Tadaaki (Ono ha itto ryu)
uva.
Die Ein-Schwert-Schule
Von Ito Ittosai Kagehisa sind nach dem ereignisreichen Duell von Koganegahara keine weiteren Details überliefert worden. Die Aufzeichnungen der Itto ryu sprechen davon, daß er nach der Übergabe der Schule an Mikogami Tenzen zurückgezogen als Mönch in einem Kloster lebte und im hohen Alter von 94 Jahren (also wahrscheinlich 1644) starb.
Obwohl er in der Zeit der großen japanischen Bürgerkriege (Sengoku jidai) lebte, in der die vielen Fürsten mit ihren Armeen um die Vormachtstellung im Land kämpften, hatte er nachweislich nie an Kriegen oder Schlachten teilgenommen und seine Waffenfertigkeit niemals in den Dienst eines Fürstenhauses gestellt. Seine Erfahrungen im Schwertkampf beruhten ausschließlich auf seinen eigenen Techniken (und Lehren des Chujo ryu in seinen frühen Jahren), welche er in unzähligen Duellen auf ihre Praxistauglichkeit hin testete. Dies steht in klaren Gegensatz zu vielen anderen Schwertmeistern dieser Zeit, deren Fechtstile sich vor allem auf die praktischen Erfahrungen des Schlachtfeldes und überlieferter Techniken älterer Traditionen gründeten. Ito Kagehisa schuf eines der wenigen wirklich neu kreierten Schwertkampfmethoden. Eventuell könnte man in diesem Zusammenhang von der Itto ryu als eine der ersten zivilen Schwertschulen sprechen, deren Techniken nicht mehr hauptsächlich für den Kriegsfall und den Einsatz auf dem Feld geschaffen wurden. Die Blütezeit dieser Art von Schulen begann eigentlich erst nach dem Tod Ito Kagehisas, als sich Japan unter dem Tokugawa-Shogunat zu einem mehr oder minder befriedeten Reich entwickelt hatte, und der Hauptzweck des ehemals kriegerischen Schwertkampfes nun eher Duellcharakter zeigte, da die Aufgabe der Samurai sich vom Militär- in einen Beamtenapparat gewandelt hatten.
Auch in einem anderen Punkt hebt sich die Itto ryu von den anderen Schwertschulen ihrer Zeit ab. Alle anderen Stile des 15. Und 16. Jhdts. sind Zeit ihres Bestehens recht stark philosophisch und religiös gebunden gewesen. So waren z.B. die Schulen des östlichen Kanto-Gebietes (Kashima/Katori) schon immer dem Shinto-Glauben und einigen speziellen Schreinen verbunden; andere Schulen, wie etwa die Niten ichi ryu von Miyamoto Musashi oder die Shinkage ryu des Hauses Yagyu waren eng mit dem Buddhismus oder einem seiner Sekten, wie zB. dem Zen verknüpft.
Die Itto ryu kannte (und kennt bis heute) keine Festlegung in diesen Fragen. Wenn ihre Philosophie auch nicht ganz ohne kulturell beeinflußte Spuren buddhistischer Natur ist, scheint ihr Hauptcharakter rein praxisgebunden und sehr pragmatisch nur auf Belange der Schwertkunst konzentriert zu sein. So ist es nicht verwunderlich, wenn die vielen Führer der Schule über Generationen hinweg ganz verschiedenen Glaubensrichtungen angehörten. Yamaoka Tesshu (1836 1888), der 10. Großmeister der Ono-ha Itto ryu und 13. Oberhaupt der Nakanishi-ha Itto-ryu war zB. stark dem Zen verbunden, während der heutige 14. Soke (Familienoberhaupt) der Schule, Sasamori Takemi, sogar das Amt eines christlichen Priesters bekleidet und die Traditionen seiner Fechtschule in den Räumen einer Kirche in Tokyo unterrichtet.
Neben der enormen Leistung, eine Generation nach Ito Kagehisa als offizielle Hausschule des Shogunats anerkannt zu werden und somit den höchsten Stand zu erreichen, den je eine japanische Fechttradition erreichen konnte, machte die Itto ryu vor allem als einer der Vorfahren des modernen Kendo von sich reden.
Der technische Grundsatz des Itto ryu-Schwertkampfes (Kenpo) unterliegt dem bereits beschriebenen Prinzip des einen Schwertstreiches, der Abwehraktion und Konterangriff in einem einzigen Schlag verbindet und somit in einer Bewegung den Angriff des Gegners durchbricht. Die bevorzugte Technik der Schule ist hierfür ein vertikaler Abwärtsschnitt, der tief in den gegnerischen Körper gezogen wird. Hier kommt die technische Erfahrung Ito Kagehisas , vom Überfall im Tsurugaoka Hachimangu Schrein in Kamakura, nun vollends zum tragen, denn die Überlieferung berichtet, daß es dieser Schwerthieb war, der ihm bei besagtem Anschlag das Leben rettete.
Dieses, Kiri otoshi (Niederschnitt) genannte Verfahren, wurde früher innerhalb der Itto ryu als Muso ken (Traumgebilde Schwert) oder Hossha to (wegschlagender Hieb) bezeichnet, der zB. im heutigen Kendo in der Form des Uchi otoshi als sportliche Form einen Nachfolger gefunden hat. Für das Training dieser Kampfmethode benutzen einige Linien der Itto ryu stark gepolsterte Armschützer (Onigote), welche als Ziel dienen. Diese Protektoren sind jedoch die einzigen Schutzpolster, welche die Schule kennt. Gesichtsmasken (Men) und Brustpanzer (Do) wie man sie vom modernen Kendo kennt, sind unbekannt. Außerdem wird das Training vorzugsweise mit hölzernen Klingen (Bokuto) und nicht mit den flexibleren und etwas ungefährlicheren Bambusschwertern (Shinai) durchgeführt.
Von allen Nachfahren der Itto ryu beinhaltet die Ono ha itto ryu von Mikogami Tenzen noch die ursprünglichsten Techniken Ito Kagehisas. Ihre Kampftechniken (mit Holzschwertern) umfassen sowohl Verfahren für Langschwerter (Odachi), sowie auch für Kurzschwerter (Kodachi), welche in Kata gegen Langschwerter sowie auch Kurzschwert gegen Kurzschwert (Aikodachi) überliefert worden sind. Des weiteren gibt es eine große Auswahl spezielle Übungsformen, welche mit realen Schwertern (Habiki) ausgeführt werden.
Besonders einzigartig sind in diesem Zusammenhang die Formen des Schwertziehen im sitzen aus naher Distanz, einer Mischung aus Schwert- und waffenlosem Kampf, die wie alle Itto ryu Kata partnerweise geübt werden. Beide Kontrahenten sitzen sich in dieser Übungssituation gegenüber, die Schwerter noch im Gürtel. Der folgende Angriff, bei dem der eine Partner versucht, seine Klinge zu ziehen, wird meist durch schnelle Griffe und Hebel vereitelt, wobei das eigene Schwert erst in der finalen Kontertechnik eingesetzt wird.
Eine andere, mit realen Klingen, ausgeführte Form ist das Kojo gokui goten, bestehend aus 5 Kata, welche das tiefste Wissen der Itto ryu auf höchstem Niveau enthalten sollen. Sie verkörpern symbolisch die Lehre der 5 Elemente (Gogyo) Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser, sowie die Lehre der positiven und negativen Energien (Inyo). Alle Langschwertformen der Itto ryu gehen auf diese fünf Techniken zurück. Sie sind das ultimative Erbe der alten Tradition von Ito Kagehisa.
Eine weitere sehr spezielle Kata-Serie der Itto ryu ist das Taryu gachi no tachi (Schwerttechniken für den Einsatz im Kampf gegen andere Schulen). Das Besondere dieser Kampfformen ist die gesonderte Behandlung von schultypischer Techniken anderer Ryu und die Vorbereitung der eigenen Schüler auf ein Treffen mit Gegnern, deren Fechtsystem anderen Grundprinzipien unterliegt.