„Es kann nicht erwartet werden, daß ein Mann, der Pfeil und Bogen führt, sobald er sein Wort gegeben hat, dieses ändert.“ (aus „Hougen Monogatari“)

Neue Fehden

Der Frieden nach dem blutigen Ende des Hougen-Vorfalls konnte gar nicht lange anhalten. Die Situation nach dem Sieg war explosiver als je zuvor und schon der kleinste Funke konnte eine direkte Konfrontation von Ise-Taira und Kawachi-Minamoto auslösen. Und die Saat für einen neuen Konflikt wurde schon am Abend des Sieges gestreut: Obwohl er als Krieger und als Anführer der Truppen maßgeblich für den Sieg von Goshirakawa im Hougen-Konflikt verantwortlich war und auch große persönliche Opfer erbracht hatte, wurde Minamoto no Yoshitomo nicht gerade üppig belohnt. Während Taira Kiyomori zum Gouverneur der Harima Provinz ernannt wurde, erhielt Yoshitomo nur einen unbedeutenden Posten am Hof und wurde in einen zweitklassigen Range erhoben, weit unter dem Rang von Kiyomori. Die Person hinter diesen offensichtlichen Demütigungen war Fujiwara Shinzei, der einem kleineren Seitenzweig des Fujiwara-Clans entstammte. Seine Frau war ehemals die Amme von Kaiser Goshirakawa gewesen und Shinzei hatte es bis zum kaiserlichen Berater gebracht. Im Hougen Monogatari wird er als Höfling mit realistischer Weltanschauung beschrieben: Er autorisierte den Nachtangriff auf den Shirakawa-den und später dessen Niederbrennung und sicherte damit den Sieg in der Schlacht. In seinen späteren Bemühungen, den Hof politisch zu stärken, versuchte Shinzei, den Einfluß der Regenten-Linie der Fujiwara und deren Samurai, den Minamoto, am Hof zu unterbinden. Damit stand er in direkter Konfrontation zu Fujiwara Nobuyori, dem Regenten der Fujiwara. Doch die Chroniken berichten in recht moralisierendem Ton vom „schlechten Ministers“ Nobuyori. Man bemerkte „in der Art, wie Herrscher in China und in Japan ihre Minister belohnt haben, daß sie sich hauptsächlich auf die zwei Wege von Kultur und Militär stützen (bunbo no nidou)“. Dieser „Doppelweg von Kultur (Bun) und Militär (Bu)“ war zu einem wichtigen Herrschaftskonzept in jener Zeit geworden, doch Nobuyori besaß weder kulturelles noch militärisches Geschick. Sein Bestreben war stets auf den eigenen Vorteil gerichtet, den er durch mannigfaltige Manipulationen zu erreichen gedachte. Die Chronik berichtet weiter, daß der Entschluß des übertrieben ehrgeizigen Nobuyori, seinen Erz-Rivalen Fujiwara Shinzei auszuschalten, letztlich zum Untergang des Minamoto-Clans führte.

Kaiser Goshirakawa entschied unterdessen im Jahre 1158 zugunsten seines 15-jährigen Sohnes abzudanken, der als Kaiser Nijou den Thron bestieg. Seinen Einfluß auf den Hof behielt Goshirakawa jedoch und so bekam Japan nur kurze Zeit nach dem Ärger, der durch die „Ex-Kaiser“-Politik ausgelöst wurde, erneut einen Ex-Kaiser. Auf eine Person stützte sich Goshirakawa besonders: auf seinen treuen Berater Fujiwara Shinzei. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Gruppe von Verschwörern zusammenfand, die dem neuen In (Ex-Kaiser); oder präziser, seinem Berater Shinzei und seinen Samurai, den Taira, äußerst ablehnend gegenüberstand, Fujiwara Nobuyori und Minamoto no Yoshitomo waren die wichtigsten Vertreter. Shinzei stellte zwar mehr ein internes Problem des Fujiwara-Clans dar, doch auch Yoshitomo konnte sich eine Welt ohne den Berater des In gut vorstellen. Doch sowohl Taira Kiyomori als auch Shinzei standen in der Gunst des Kaiserhauses. Die einzige Chance der Verschwörer, nicht als „Rebellen“ geächtet zu werden bestand darin, Kaiser und Ex-Kaiser zu entführen. Nur so konnte man „offiziell im Namen des Kaisers“ gegen Kiyomori und Shinzei vorgehen. Der Plan wurde in aller Heimlichkeit geschmiedet und kam am vierten Tag des zwölften Monat im ersten Jahr Heiji (14. Januar 1160) zur Ausführung. (Zuweilen ist als Jahresangabe auch 1159 zu finden; die Verschiebung ist durch den damals verwendeten Mondkalender zu erklären. Anm.)

Der Heiji-Vorfall

Taira Kiyomori und sein ältester Sohn Shigemori hatten zu der Zeit gerade Kyoto verlassen und befanden sich auf einer privaten Pilgerfahrt nach Kumano, etwa 80 km südlich von Kyoto. Die Verschwörer gaben Kiyomori 5 Tage Zeit, um die Hauptstadt weit hinter sich zu lassen. In der fünften Nacht wurde der Sanjou-Palast, Sitz von Ex-Kaiser Goshirakawa angegriffen. 500 Samurai der Minamoto warfen sich gegen die Tore des Palastes und nur kurze Zeit später stand der gesamte Sanjou-Komplex in Flammen; Ex-Kaiser Goshirakawa wurde gefangen. Der junge Kaiser Nijou wurde im kaiserlichen Palast umstellt und in Gewahrsam genommen.

Die Schrift Heiji Monogatari behandelt die turbulenten Ereignisse jener wenigen Tage, die als Heiji-Vorfall bekannt sind, benannt nach der derzeitigen Ära. Heiji Monogatari gehört zwar zu den Kriegsgeschichten, sie unterscheidet sich jedoch erheblich von früheren Werken. Wie schon Hougen Monogatari und später auch Heike Monogatari entwickelte sich das Werk über eine lange Zeitspanne durch schriftliche und mündliche Überlieferung. Hougen, Heiji und Heike Monogatari wurden im Mittelalter von wandernden Geschichtenerzählern rezitiert, die Biwa Houshi genannt wurden; blinde buddhistische Mönche, die ihre Erzählungen mit einer Laute (Biwa) musikalisch untermalten. Dabei kam es zu diversen Veränderungen am Text und heute existieren zahlreiche Varianten dieser Geschichten. Allein von Heiji Monogatari gibt es 33 verschiedenen Versionen, die in drei Kategorien eingeteilt werden: Furubon (alte Texte), Rufubon (verbreitete Texte) und Kotohirabon (Bücher von Kotohira). Der wichtigste alte Text ist der Youmei-Gakushuuin-Text, eine Kombination von Büchern der Youmei Bunko und Gakushuuin Universität. Obwohl beide nur Schriften enthalten, die aus der späten Muromachi-Periode (1334-1575) stammen, glaubt man, daß diese eine Form der Heiji Monogatari aus der Kamakura-Periode (1185-1333) darstellen. Die Kotohirabon sind eher Erzählungen als Chroniken, hauptsächlich geformt durch die wandernden Geschichtenerzähler des 13. und 14. Jh. In ihnen treten einzelne Themen innerhalb des gesamten Komplexes von Ereignissen stärker in den Vordergrund, die Charaktere - Helden, Feiglinge, Schurken - sind leuchtender als in den alten Texten und es gibt auch mehr Geschichten über Frauen, mehr kritische Kommentare und Passagen mit biographischen und Hintergrundinformationen.

Hougen, Heiji und Heike unterscheiden sich auch in anderen Punkten von den frühen Kriegsgeschichten. Während letztere von Ereignissen berichten, die sich weit entfernt der Hauptstadt in den Provinzen zugetragen haben, konzentrieren sich diese drei Geschichten ausschließlich (Hougen) oder zumindest in großem Maße (Heiji & Heike) auf Kyoto und behandeln Begebenheiten, in die sowohl Krieger als auch Höflinge verwickelt sind. Hougen, Heiji und Heike beschreiben erstmals, wenn auch romantisiert, die Beziehung zwischen Kriegern und Höflingen: Selbst als die Krieger bei Hof einzogen und den Hofadel allmählich von der politischen Macht verdrängten, wurden sie doch zutiefst vom Leben und von der Kultur am Hof beeinflußt. Einige Krieger, wie die Ise-Taira, übernahmen sogar die höfischen Qualitäten und wurden „Hofkrieger“.

Diese drei Werke vermitteln auch eine detailliertere Beschreibung von Schlachten und ermöglichen so einen besseren Blick auf Krieger und Kriegsführung im Japan des frühen Mittelalters. Es wurden selten so viele lebhafte Bilder von Samurai gezeichnet, wie in Heiji Monogatari Ekotoba (Illustrierte Schriftrollen der Heiji-Geschichte) aus der späten Kamakura-Periode, speziell in dem Teil, der mit „Feuer im Sanjou-Palast“ betitelt ist: Rauch und Flammen umhüllen den gesamten Palast, während die rauhen Krieger aus den Provinzen, „Aramusha“ genannt (in Anlehnung an „Arauma“-“wilde Pferde“) selbst noch unter den Dielen nach Opfern suchen, deren Köpfe sie nehmen konnten.

Der Begleiter des Kriegers

Unter den vielen Ereignissen, die in Heiji-Monogatari beschrieben sind, gab es auch einige mit gewissem Humor: Als sich die Truppen der Taira vom Sanjou-Palast zurückziehen mußten, hatte Taira Yorimori, ein jüngerer Bruder von Kiyomori eine Begegnung mit einer Kumade (Bärentatze), die für gewisses Aufsehen sorgte. Die Kumade gehört zwar zu den Speerwaffen, ist aber mit 3 Haken ausgestattet und hat keine scharfe Klinge. Sie ist wie eine Tierklaue geformt; befestigt an einem langen hölzernen Schaft. Einfache Fußtruppen benutzten die Kumade, um Reiter von ihren Pferden zu reißen, nachdem sie die Haken der Kumade in deren Rüstungen geschlagen hatten. Am Boden waren die Krieger auch von den Kämpfern zu Fuß besser zu bekämpfen. Die Bushi, die berittenen Krieger des japanischen Mittelalters wurden zumeist von einem oder zwei Bediensteten begleitet, die für Waffen, Kleidung und Pferd verantwortlich waren. Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen den Begleiter des Kriegers in leichten Rüstungen, Haramaki oder Doumaru; oft trugen sie Naginata, zuweilen auch Pfeil und Bogen oder sogar Schwerter, wobei jedoch anzunehmen ist, daß sie dabei nur die Waffen für ihren Herren trugen. Die Kriegsführung des mittelalterlichen Japans konzentrierte sich jedoch auf den Krieger, ihre Diener nahmen nicht am eigentlichen Kampf teil. Ihre Aufgabe war zwar, ihrem Herren in jeder Lage zu dienen, doch in der Schlacht waren sie zumeist nur Zuschauer. Doch Heiji Monogatari erzählt auch von Dienern, die regulär am Kampf der Krieger teilnahmen. So wird von Jirou berichtet, der in den Diensten des Kriegers Kamada no Masakiyo stand, auch bekannt als „8 Block Jirou“, da er so flink zu Fuß war, daß er einen berittenen Krieger innerhalb von 8 Block einholen konnte. Bei der Schlacht am Taiken-Mon führte Jirou eine Kumade gegen Taira Yorimori ins Feld. Er schwang seine Waffe gegen den berittenen Krieger; die Klaue verhakte sich am Helm und steckte fest. Doch bevor Jirou den Taira von seinem Pferd reißen konnte, drehte sich Yorimori im Sattel und schaffte es im letzten Moment, den hölzernen Schaft der Kumade mit seinem Schwert zu zerschlagen. Danach galoppierte er mit seiner ungewöhnlichen Trophäe, die noch immer von seinem Helm ragte, aus dem Schlachtgetümmel; das Gelächter der Anwesenden schallte ihm noch lange nach.

Nach der erfolgreichen Eroberung des Kaiserpalastes löste Minamoto no Yoshitomo sein Wort bei Fujiwara Nobuyori ein und zog gegen Fujiwara Shinzei. Die Residenz des kaiserlichen Beraters wurde niedergebrannt. Shinzei selbst konnte zunächst entkommen, wurde jedoch wenig später aufgegriffen und zu Nobuyori gebracht. Dieser ließ ihn hinrichten und Shinzei’s Kopf am Tor eines Gefängnisses ausstellen, wie es üblicherweise Kriminellen erging.

Der Gegenschlag der Taira

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Plan der Verschwörer perfekt funktioniert. Doch Kiyomori hatte auf seinem Weg nach Kumano von dem Vorfall erfahren und kehrte nun schleunigst nach Kyoto zurück. In diesem Moment wendete sich das Blatt und das Schicksal stellte sich auf die Seite der Taira. Der Niedergang begann damit, daß Fujiwara Nobuyori den Vorschlag von Minamoto no Yoshihira abwieß, der Kiyomori mit einer Streitmacht entgegenziehen wollte, um ihn noch vor Kyoto zu stellen. Doch Nobuyori bestand darauf, daß sie in Kyoto warten sollten. Und schon zuvor im Hougen-Konflikt, als Fujiwara Yorinaga den Ratschlag von Minamoto no Tametomo mißachtete und damit den Untergang besiegelte, wird auch in diesem Fall die Ignoranz des Höflings gegenüber dem Krieger zur Ursache für die Niederlage. Es ist ein weiteres Beispiel für einen Höfling, der sich zu einer Zeit arrogant, dickköpfig und stur verhält, in der er besser den eindringlichen und fundierten Rat des Kriegers angenommen hätte. Yorinaga und Nobuyori sind fast wie Karikaturen für die Klasse der zivilen Höflinge jener Zeit, die langsam aber sicher jede Kontrolle verlieren.

Kiyomori hatte nur wenige Männer, kaum Waffen und nur mit Hilfe von Kriegern der Provinz Kii erreichte er schließlich die Hauptstadt. Er begab sich zu seiner Residenz im Stadtteil Rokuhara und machte zunächst gute Miene zum bösen Spiel; heimlich sammelte er jedoch Unterstützung für einen Gegenangriff. In der Nacht zum 25. des zwölften Monats (4. Februar 1160) war es dann soweit. In einer gewagten Aktion wurde der Kaiser Nijou direkt unter den Augen der Minamoto entführt. Der Kaiser war noch sehr jung und so wurde er von den Anhängern der Taira als Mädchen verkleidet. In dieser Aufmachung gelang es, Kaiser Nijou unbemerkt an den Wachen der Minamoto vorbeizuschleusen und nach Rokuhara zu bringen. Den Kaiser in ihren Reihen zu wissen, gab den Kriegern der Taira und ihrer Moral gewaltigen Auftrieb. Sie kämpften nun für Recht und Ordnung auf der Seite des Kaisers gegen die „Rebellen“ Nobuyori und Yoshitomo. Die Situation der Fujiwara-Minamoto-Koalition verschlechterte sich weiter, als zur selben Zeit auch Ex-Kaiser Goshirakawa aus dem Gewahrsam der Minamoto entkam und Zuflucht im Ninna-ji fand. Nobuyori soll an diesem Abend betrunken gewesen sein und so wurde der Ernst der Lage erst am nächsten Morgen klar. Zwei Stunden später griffen Eintausend Taira-Samurai unter Shigemori und Yorimori die Stellung der Minamoto im kaiserlichen Palast an. Die Verteidigung der zahlenmäßig stark unterlegenen Minamoto hielt zwar stand, doch ein vorgetäuschter Rückzug der Taira verleitete die Verteidiger zu einer kopflosen Verfolgung. Und während die Minamoto aus dem Palast herausströmten, drängten die Taira hinein, bis sich die Positionen von Angreifer und Verteidiger umgekehrt hatten.

Minamoto no Yoshitomo blieb nur noch die Offensive. Er entschloß sich, einen Gewaltangriff gegen das Taira-Hauptquartier in Rokuhara zu führen, doch die Aktion schlug fehl. Souhei vom Berg Hiei griffen auf Seiten der Taira in den Kampf ein und die Lage der Minamoto spitzte sich weiter zu. Als ihre Ressourcen erschöpft waren, verweigerte ein Verbündeter von Yoshitomo, Minamoto no Yorimasa, den versprochenen Nachschub. Minamoto no Yorimasa, aus dem Tada-Zweig der Minamoto, stand schon seit langer Zeit als Krieger in den Diensten des Kaisers. Er war nicht gewillt, die vielen Jahre seiner Loyalität gegenüber dem Kaiserhaus nur wegen einer Clanfehde zu verraten. Doch ohne den Nachschub war die Situation für Yoshitomo aussichtslos, das vollkommene Desaster unvermeidlich.

Das Ende der Minamoto

Als die Truppen der Minamoto aufgerieben wurden, konnten die Verschwörer nur noch fliehen. Fujiwara Nobuyori ging zum Ninna-ji, um Ex-Kaiser Goshirakawa zu bitten, sein Leben zu verschonen. Doch der In wies ihn ab und Nobuyori wurde gefangen. Yoshitomo schaffte es, nach Osten durchzubrechen. Als er jedoch mit einer kleinen Gruppe getreuer Krieger die Hauptstadt verließ, lief er geradewegs den Souhei vom Enryaku-ji in die Arme. Unter vielen Verlusten kämpften sich die Minamoto ihren Weg bis zur Brücke von Seta frei, an der südlichen Spitze des Biwa-ko. Dort gab Yoshitomo seinen Mannen den Befehl, die Gruppierung aufzulösen und sich zu verstreuen. Yoshitomo selbst zog weiter durch die Berge nach Osten, begleitet von seinen drei Söhnen Yoshihira, Tomonaga und Yoritomo. Letzterer war gerade erst ein Junge von 14 Jahren, der sein Genpuku (Initiierungszeremonie) nur kurze Zeit vor der Heiji-Schlacht vollzogen hatte. Ihr Marsch wurde erschwert von Sturm und Schnee und auch von dem verwundeten Tomonaga. Er bat seinen Vater wiederholt, ihn zu töten, damit die übrigen schneller vorankommen und schußendlich willigte Yoshitomo ein. Doch das Opfer von Tomonaga sollte nur von kleinem Nutzen sein. Yoshihira trennte sich bald von der Gruppe, um in Hokoriku und Shinano Truppen für einen neuen Kampf aufzustellen. Auch der junge Yoritomo ging im Schneesturm verloren und wurde wenig später von den Taira gefangen. In den letzten Tagen des zwölften Monats 1159 erreichte Yoshitomo schließlich die Residenz von Osada Tadamune in der Provinz Owari. Osada Tadamune war zwar ein Vasall von Yoshitomo, doch er trug Verrat im Herzen. In Hoffnung auf eine Belohnung von den Taira überredete er Yoshitomo am dritten Tag des neuen Jahres zu einem Bad und als Yoshitomo ohne Schutz den Raum betrat, wurde er von den Handlagern Tadamune’s hinterhältig gemeuchelt.

Als Yoshihira in Shinano vom Tod seines Vaters erfuhr, kehrt er heimlich nach Kyoto zurück, um die Taira auszuspionieren. Doch er wurde schnell gefangen und zu Kiyomori gebracht. Dieser befragte ihn, wie Yoshihira, der es während der Kämpfe geschafft hatte, die Blockade von mehr als 300 Kriegern zu durchbrechen, jetzt von nicht mal 50 Männern gefangen werden konnte. Yoshihira antwortete, daß ihn sein Glück verlassen hätte („Un ga tsukinu“) und warnte Kiyomori, daß ihn ein ähnliches Schicksal erwarte, wenn sein eigens Glück aufgebraucht wäre.

Wie schon vier Jahre zuvor im Hougen-Vorfall waren auch im Heiji-Konflikt relativ wenige Krieger beteiligt, nur einige hundert auf beiden Seiten. Yoshitomo, dessen Basis weit entfernt im Osten lag und der dringend auf Nachschub wartete (welcher niemals kam), scheint einigen unglücklichen Umständen zum Opfer gefallen zu sein. Der Plan, die Vorherrschaft der Taira am Kaiserhof zu brechen, war erfolgreich bis zu dem Zeitpunkt als Kiyomori wieder in Kyoto erschien. Man könnte durchaus annehmen, daß Kiyomori absichtlich auf Pilgerfahrt ging, um seine Gegner zu ermutigen, so zu handeln, wie sie es letztlich taten.

Nach dem Ende des Heiji-Konflikts folgten so viele Exekutionen auf dem Richtplatz am Kamo-Fluß, daß selbst die Hinrichtungen nach dem Hougen-Konflikt geradezu belanglos erschienen. Kiyomori wurde nicht unbedingt für seine Güte bekannt. Auf seinen Befehl wurden Minamoto Yoshihira und Fujiwara Nobuyori enthauptet, der Körper von Tomonaga wurde exhumiert, der Kopf abgetrennt und zusammen mit dem Kopf seines Vaters und unzähliger anderer Krieger der Minamoto öffentlich ausgestellt. Nur vier Söhne von Minamoto no Yoshitomo blieben am Leben: Yoritomo, der an der Seite seines Vaters gekämpft hatte, sollte zunächst auch hingerichtet werden. Doch Kiyomori’s Stiefmutter fühlte sich an ihren eigenen toten Sohn erinnert und bat um sein Leben. So wurde Yoritomo verschont und nach Izu verbannt, um im Haus eines Taira aufgezogen zu werden. Die übrigen drei, allesamt noch kleine Kinder, befanden sich noch in der Obhut ihrer Mutter Tokiwa. Die schöne Tokiwa floh aus Kyoto, als sie vom Tode ihres Mannes hörte; ihr jüngstes Baby klammerte sich an ihre Brust und das zweite trug sie auf ihrem Rücken, während sie das älteste Kind an der Hand führte. Die Flucht der Tokiwa durch Schnee und Sturm ist seit jenen Tagen immer wieder eine Inspiration für japanische Künstler gewesen. Das Blut ihrer Füßen im Schnee wurde zu einem Symbol, wie das Rot von der Flagge der Taira das reine Weiß der Minamoto befleckt. Die Flucht von Tokiwa hätte erfolgreich sein können, wenn der ruchlose Kiyomori nicht ihre Mutter aufgegriffen und gefoltert hätte. Als Tokiwa davon erfuhr, kehrte sie nach Kyoto zurück und lieferte sich und ihre Kinder aus; ihr Schicksal schien besiegelt. Doch ein Hauch von Menschlichkeit durchflog Kiyomori; welches der strahlenden Schönheit von Tokiwa zugeschrieben wird; und er schenkte den Kindern das Leben. Bedingung war, daß die wunderschöne Tokiwa seine Konkubine würde. Und so schickte man die drei kleinen Minamoto in verschiedene Klöster, um sie zu Mönchen auszubilden.

Das ruhmreiche Geschlecht der Kawachi-Minamoto war damit vernichtet. Nur zwei Erwachsene Minamoto waren noch am Leben: der alte, ehrwürdige Minamoto no Yorimasa, der im Heiji-Konflikt die Unterstützung seines Clans verweigert hatte und Minamoto no Tametomo, der Gigant des Hougen-Konfliktes. Tametomo fristete zwar in Verbannung, doch konnte diese Strafe einen Helden brechen? ...