Miyamoto Musashi
Vorwort
Die vorliegende Übersetzung des Dokkodo ist eine Arbeit von Machida Teruo und Vaughn Williams. Einige Sätze zum Anfang des historischen Textes geben ein paar Informationen über die Schrift, welche uns in Form von Schriftwechseln von den Übersetzern zur Verfügung gestellt wurden.
Machida Teruo ist Instructor im Foreign Language Department der Nippon Sport Science University und langjähriger Kendoka und Schüler der Niten-Ich-Ryu, er studierte Anfang der 80er Jahre in Freiburg Philosophie.
Viele Leute lesen das Dokkodo an Hand dem „Niten-ki“, ein Buch über Musashi, welches etwa 60 Jahren nach seinem Tod geschrieben wurde. Das Dokkodo hier setzt sich aus 19 Strophen zusammen, d.h. Strophe 4. und 20. Strophen fehlen aus ungeklärten Gründen (Es gibt sogar solche Versionen, welche nur 14, 16 oder 18 Strophen haben). Das Originalmanuskript, die Handschrift von Musashi, die wir hier übersetzt haben, hat 21 Strophen. Seine Echtheit ist graphologisch bestätigt worden. Das Dokkodo ist ein eigenständiges Werk, das Musashi kurz vor seinem Tod schrieb und Herrn Terao Magonojo übergab.
Etwa 80 Jahre später wurde das „Niten-Ki“, ein biographisches Werk über Musashi, veröffentlicht. Der Autor führte darin das Dokkodo auf, aber dieses Dokkodo enthält nur 19 Strophen und hat kein Datum (Shoho 2, Mai 12 / 1645) sowie keinen Namen des Empfängers (An Herrn Terao Magonojo). Keiner weiß den Grund, doch dieser unvollkommene Text wurde wegen der Kraft der Publikation, wenn man so sagen darf, lange mit dem Original-Text von Musashi identifiziert. Heutzutage ist das Dokkodo als ein Anhang zum „Go-Rin-No-Sho“ zu sehen.
Im Unterschied zu „Niten-Ki“ ist das „Go-Rin-No-Sho“ bei uns noch sehr populär, ungeachtet der Frage, ob es richtig verstanden wird oder nicht. Ein Problem liegt darin, daß sich in nicht wenigen „Go-Rin-No-Sho“-Ausgaben immer noch das 19-Strophen-Dokkodo befindet.
DOKKÔDÔ
Der Weg, den ich selbst gehe
1) Ich will mich nicht gegen weltliche Wege widerstreben.
2) Ich will kein bequemes Leben führen.
3) Ich will alle Dinge gleich beachten und nichts bevorzugen.
4) Ich schätze mein Leben unwesentlich, doch die Welt so groß und tief.
5) Ich will in meinem ganzen Leben weder habgierig noch geltungssüchtig sein.
6) Ich will meine Taten nicht bereuen.
7) Ob Gut, ob Böse, ich will auf niemanden neidisch sein.
8) Ich will nicht traurig sein, mich von jeglichem Weg zu verabschieden.
9) Ich will mich nie beklagen und keinen Hass in meinem Herzen, weder gegen mich noch gegen andere.
10) Ich will mich niemals dem Weg der Leidenschaft hingeben.
11) Ich will mich nicht mit elegantem Zeitvertreib befassen.
12) Ich will keinen Luxus in meinem Haus.
13) Ich will für mich selbst kein besonderes Essen.
14) Ich will nichts Altes besitzen, was eines Tages zur Reliquie wird.
15) Ich will mir selbst vertrauen und nie abergläubisch sein.
16) Ich schätze gute Waffen sehr, andere Gegenstände sind mir gleichgültig.
17) Ich bin immer bereit, auf dem Weg zu sterben.
18) Ich will im Alter keinen Schatz oder Rittergut besitzen.
19) Buddhas und Götter sind verehrungswürdig, doch ich will sie um nichts bitten.
20) Auch wenn ich mein Leben opfere, will ich nie meinen Namen opfern.
21) Ich will niemals vom Weg des HEIHÔs (*bzw. HYÔHÔs) abweichen.
SHÔHÔ 2 (*1645)
Mai 12, SHIMMEN Musashi
Genshin (*schriftliches Siegel)
An Herrn TERAO Magonojô
Übersetzung ins deutsche:
Machida Teruo und Vaughn Williams