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| Der bessere Weg... Katchu und Suhada bujutsu Eine
Vielzahl von japanischen, waffenlosen Kampfsystemen hat sich mit der
Zeit weltweit etabliert. Judo, Jiu jutsu, Karate und Aikido sind wohl
die bekanntesten und an Mitgliedern reichsten Stile überhaupt. Ob die ersten waffenlosen Kampfstile
Japans ausgesprochen eigene Kreationen sind, oder wie ebenfalls gern behauptet, chinesischen Einflusses sind
ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Ausgehend davon, daß auf der
ganzen Welt Systeme dieser Art entwickelt wurden, möchte man aber
meinen, daß die Ursprünge in Japan selbst liegen. Katchu bujutsu: In der Zeit
ununterbrochener Clankriege vom 13. bis zum 17. Jhdt. wurde Japan von
einer Vielzahl von Feldzügen und Fehden der einzelnen Fürstenhäuser
geschwächt. Der Berufszweig des Kriegers blühte und die Produktion
an Waffen und Rüstungen florierte. Militärische Aggressionen wurden
hauptsächlich auf dem Schlachtfeld ausgetragen, daß heißt es
standen sich große Gruppen von gepanzerten und schwer bewaffneten
Samurai gegenüber. Für diesen Zweck mußte ein Kampfsystem
entwickelt werden, daß auch entwaffneten oder Gefangene machenden
Kriegern die Chance gab, mit Händen und Füßen einen Feind zu
besiegen. Welche Technik waren gegen einen Gegner in einer Rüstung
anwendbar? Schläge und Tritte brachten hier nicht die gewünschten
Erfolge, da große Teile der Energie vom Panzer abgefangen wurden.
Hier waren eher Hebel und Würfe angebracht, mit denen man einen Feind
so zu Fall brachte, daß er sich bereits beim Sturz schwer verletzte
oder daß man ihn dann am Boden mit dem Dolch oder einer anderen Waffe
töten konnte. Dafür entwickelten die Samurai einige ganz spezielle
Waffenformen, wie sie nur im Schlachtfeld Verwendung fanden. so z.B.
der Yoroi doshi (Panzerstecher), ein Dolch mit einer besonders
starken, breiten Klinge, mit dem man sogar den Panzer einer
Samurai-Rüstung durchdringen konnte oder ein Messer namens Mete zashi
(Pferdehand-Messer). Dieses wurde, für japanische Waffen untypisch,
an der rechten Körperseite mit der Klinge nach vorn getragen, so daß
man beim Ziehen der Waffe einen kräftigen Stich von unten in die
recht ungeschützte Hüftgegend der feindlichen Rüstung ausführen
konnte.[Pferdehand: Linke Hand = Bogenhand, zum Schießen / rechte
Hand = Pferdehand, zu Führen der Zügel beim Reiten] Suhada bujutsu: Nach der
Befriedung Japans durch Tokugawa Ieyasu um 1600 und der Einführung
einer neuen Zentralgewalt verfiel der Stand des Samurai zusehendst von
einer Krieger- in eine Beamtenkaste und viele der ehemaligen Veteranen
vergangener Kriege verbrachten das Ende ihres Lebens als Tagelöhner
und Landstreicher (Ronin), da es für diese Massen an Militär keine
Verwendung mehr gab. Militärische Konflikte verlegten sich vom
Schlachtfeld mehr und mehr in den Bereich den Selbstverteidigung oder
des Schutzes von Herren und Gut. Zu dieser Zeit versuchte man auch die
älteren Kampfsysteme dieser neuen Situation anzupassen. Die Schulen,
welche um diese Zeit gegründet wurden verfolgten andere Techniken als
ihre Vorgänger. Wenn sich nun zwei Kontrahenten begegneten war es
unwahrscheinlich, daß einer der Beiden einen schützenden Panzer
trug. Die Gegner waren eher in ihrer Alltagskleidung unterwegs, daß
heißt, Kimono und Hakama. Hier hatte man jetzt die Möglichkeit durch
den Einsatz von Atemi (Schlagtechniken) an verletzlichen
Körperpunkten und -stellen schnellere und aus einer weiteren Distanz
heraus Wirkungen zu erzielen, die bei einem gepanzerten Feind nicht
möglich gewesen wären. Viele der ehemaligen Wurf, Würge oder
Hebeltechniken wurden nun durch Tritt-, Schlag und Stoßtechniken
ergänzt. Neben dem Stand der Bushi würdigten vor allem die
Sicherheitskräfte wie Wachabteilungen, Polizei oder Leibwächter die
neuen Systeme, ihre Aufgabe lag nicht im Töten eines Gegners
sondern lediglich darin ihn Kampfunfähig zu machen. Im Allgemeinen muß man bemerken, daß alle waffenlosen Künste, ob für Schlachtfeld oder Selbstverteidigung entwickelt, stets nur sekundären Charakter in der Rangfolge der Kriegskünste hinter Bogenschießen und Fechten hatten, was aber nicht heißt, daß sie keine Beachtung bei den Samurai fanden. Jeder, der noch heute eine Nahkampfart trainiert kann bezeugen, daß nach einiger Erfahrung im waffenlosen Kampf das Erlernen einer Waffentechnik bei weitem leichter fällt, als einem Ungeübten. Man ist so in der Lage ein gewisses Gefühl für Distanz, Bewegung und Zeit von der eigenen Technik mit in die neuen Aufgaben zu übernehmen. Historisch betrachtet standen die "Jiu jutsu-Systeme" auch nie allein als eigenständiges Kampfsystem, wie man es heute von Judo oder Karate kennt. Vielmehr fungierten sie stets in Verbindung und als Ergänzung zu anderen Waffenformen oder als Unterstützung des Hojo jutsu (Fesselungstechniken) zur Überwältigung oder Arrestierung eines Gegners. Die Frage nach dem besseren Weg in den
modernen Kampfsportarten muß sich so wohl jeder selbst stellen. Die
Unterschiede in der technischen Anwendung sind eher nach historischen
als nach zeitgenössisch-praktischen Gesichtspunkten zu suchen und keine der Systeme
basiert auf uneffektiven oder nicht brauchbaren Techniken. Nur
Kampfstile, welche im Ernstfall auch real und brauchbar waren konnten
sich in mehreren hundert Jahren kriegerischen Auseinandersetzungen
behaupten und überleben. Script: Torsten Münch |