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Bugei
juhappan
Mit
der Zeit wurden durch kontinentale Einflüsse über Korea und China,
aber auch durch eigene Entwicklungen, die vielfältigsten Formen von
Lang- und Klingenwaffen, Nahkampftechniken und militärischen Methoden
hervorgebracht. Dies umschließt sowohl rein praktisch orientierte
Kampftechniken, wie Fechten (Ken jutsu), Speerkampf (So jutsu) oder
Bogenschießen (Kyu jutsu), als auch kriegerische Methoden wie Reiten
(Ba jutsu) und Schwimmen (Sui jutsu), Strategie (Sen jutsu) oder auch
die Kunst der Signalgebung (Ango jutsu). Doch
bereits seit dem 14. Jhdt. versuchte man in Japan zu klassifizieren,
welche Künste nun als eigentliche Kriegskünste (Bugei) eingestuft
werden sollen oder welche Systeme nicht hauptsächlich zu den militärische
Disziplinen zu gliedern waren. Diese Klassifizierung bezog sich nicht
auf die Schulen (Ryu), welche diese Künste trainierten sondern einzig
und allein auf die betreffenden Kampfsysteme an sich.
Die
gesamte Aufzählung dieser Künste fasste man in Japan unter dem Namen
Bugei juhappan (18 Methoden der Kriegskünste) zusammen. Die Zahl 18
entspricht in keiner Weise der realen Anzahl der verschiedenen
Kampfsysteme, die je in Japan unterrichtet wurden. Verschiedene
Quellen geben die Zahl 18 als
magisch an, sich an der chinesischen Philosophie orientierend.
Hier steht diese Ziffer
für die Komplexität und Vollständigkeit in der Natur und die
japanische Kriegerkaste, welche die chinesischen Klassiker zur
Pflichtliteratur erkoren hatte, orientierte sich an diesen Prinzipien.
Das
Bugei juhappan war jedoch trotz aller Klassifizierungen nie ein
festes, starres System. Im Laufe der Zeit änderten sich die Inhalte
und aufgelisteten Künste. Es zeigte stets die favorisierten
Prinzipien einer bestimmten Zeit wieder, welche Kampftechniken aktuell
als primär oder sekundär betrachtet wurden. Während ältere
Auflistungen der „18 Methoden“ vor allem kriegsorientierte Inhalte
haben, wie Taktik, Signalgebung, Befestigungslehre etc. beziehen sich
modernere Aufzeichnungen mehr auf die Kampfkünste an sich. Außerdem
schließen sie verstärkt auch neuere Waffenformen, wie Schußwaffen (Teppo),
Kettensichel (Kusarigama) oder Kurzstock ein.
In
der Muromachi-Zeit verankerten die fähigsten Krieger ihre Erfahrungen
von den Schlachtfeldern in neuen Kampfsystemen (Ryu) und schufen somit
den Grundstein für die technische Seite der Kriegskünste, welche
dann unter den Bugei juhappan zusammengefasst wurden.
Im folgenden werden einige unterschiedliche Bugei juhappan Klassifizierungen aufgeführt, die eine annähernden Vorstellung der Inhalte dieser Auflistung wiedergeben:
Zugegebener
Weise erscheinen einige der in den Listen angeführten Künste unpassend
im Zusammenhang mit militärischen Praktiken, aber auch Pferdepolo und
Schwimmen trugen zur Körperertüchtigung der Bushi bei und bereiteten
sie auf den Einsatz in Kriegszeiten vor. Die meisten der aufgeführten
Kampfkünste gehörten jedoch schon seit jeher zur praktischen
Ausbildung der Bushi, wie etwa das Fechten oder Speerkampf. Diese Künste
spielten bis zur Meiji-Zeit (ab 1868) innerhalb japanischer Heere noch
immer eine große Rolle (und wurden später durch den Bajonettkampf
ersetzt). Andere Kampfsysteme, wie etwa das Yabusame (Bogenschießen zu
Pferde) oder der Umgang mit der Naginata (Schwertlanze) wurden
historisch gesehen schon recht früh vom Schlachtfeld verdrängt (Muromachi-Zeit)
aber doch als kriegerische Tradition beibehalten. Neue Formen wie etwa
die Feuerwaffen nahmen ihren Platz ein und auch innerhalb der zivilen
Kampfkünste gewannen neue Varianten an Bedeutung (Jitte, Kusarigama).
Einige bekannte Systeme wurden im Bugei juhappan auch unter einzelnen
Namen zusammengefasst. So findet man alle Techniken mit Langschwert (Tachi),
Kurzschwert (Kodachi), Dolchen (Tanto) oder dem Fechten mit zwei
Schwertern (Nito) unter dem Begriff Ken jutsu. Gleiches gilt für alle
Arten von Speeren unter So jutsu oder die vielen Formen des Bogenschießens
unter Kyu jutsu. Abschließend
muß man anführen, das das Bugei juhappan, ebenso wie das Bushido nie
ein strenges oder gar schriftlich durch Behörden festgelegtes Reglement
war. Es etablierte sich innerhalb der Kriegerkaste als Bestandteil Ihrer
Ausbildung und ihres Lebensweges – als Zusammenfassung ihres militärischen
Know-hows in über 800 Jahren. Script: Ulf Lehmann
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