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| Blutrot Forensische Archäologie in Japan
Forensische Archäologie
gehört im Bereich der Altertumsforschung zu den jüngsten Zweigen
dieser Studienrichtung und beschäftigt sich hauptsächlich mit der
Ausgrabung und Untersuchung historischer Schlachtfelder und Gräbern
von Kriegsopfer. Im speziellen “Fall Japan” geben diese
Forschungen somit einen authentischen Einblick in die Geschichte der
Samurai-Kriegsführung, der verwendeten Waffen und deren Auswirkung
auf den menschlichen Organismus. Obwohl sich zahlreiche Überlieferungen
der historischen Epochen eingehend mit diesen Aspekten beschäftigen,
geben erst die archäologischen Feldstudien eine echte Vorstellung von
vergangenen Feldzügen und Gefechten. Für Schüler der japanischen
Kriegskünste sind diese Studien insofern interessant, da sie einen
realen Einblick auf das Wirken und die Geschichte ihrer Kampfsysteme
geben. Die folgende Betrachtung soll zeigen, was für Auswirkungen die unterschiedlichsten Techniken und Waffenformen im Ernstfall auf den Organismus hatten, welchen Gefahren die Bushi in Kriegszeiten des Mittelalters ausgesetzt waren und mit welchen Risiken sie rechnen hatten. Wer in den Kampf zog mußte Verwundung oder Tod einkalkulieren und viele der Männer kehrten nur als Krüppel heim. Daran hat sich in der Geschichte des Krieges in den letzten 2000 Jahren nicht viel geändert. Welche Spuren ein Dasein als Krieger hinterlassen kann, verdeutlicht das Leben des berühmten Generals des Takeda-Clans, Yamamoto Kansuke (1500 - 1561). Seine Laufbahn hatte ihn ein Auge und mehrere Finger gekostet, außerdem hinkte er auf einem Bein. Er starb, durch gegnerische Waffen schwer verwundet, im Alter von 61 Jahren in der Schlacht von Kawakajima durch Seppuku...
Fernwaffen Ohne Frage war der
Bogen die bedeutendste Waffe aller Zeiten für die japanischen
Krieger. Bis zu den Mongoleneinfällen in Japan (1274 und 1281)
bestanden praktisch gesehen alle Schlachten der Geschichte aus einer
Ansammlung von Bogenduellen zwischen einzelnen Reitern. Und selbst
nach der Einführung der Feuerwaffen bildeten die Bogenschützen eines
der mächtigsten Kontingente japanischer Heere. Mit einer Reichweite von über
250 m, einer höheren Treffsicherheit und
wesentlich kürzeren Nachladezeit als alle Feuerwaffen ihrer Zeit,
blieb der Bogen noch bis ins 17. Jhdt. eine der wichtigsten
Kriegswaffen Japans. Für den Einsatz im Feld verwendeten die Samurai
eine Vielzahl von Pfeilen mit ganz speziellen Spitzen (Yajiri).
Pfeilspitzen in Form von flachen, breiten und ausladenden Vogelschwänzen
(Kurimata) oder mit Widerhaken rissen weite Wunden und verhakten sich
im Fleisch. Wenn man den Treffer eines solchen Geschosses überlebte,
brachte dessen Entfernung aus dem Körper meist eine weitere
Verletzung gesunden Gewebes mit sich und führte zu starkem
Blutverlust. Pfeile in der herkömmlichen Widerhakenform wurden
Darmzerreißer (Watakuri) genannt – allein der Name spricht für
sich. Weitere Pfeilvarianten
in dolchförmigen Klingen (Togari) und Schildbrecher (Tatewari)
konnten Rüstungen durchschlagen und drangen durch die schmale Klinge
weit in den Körper ein. “Der Heerführer
Nitta Yoshisada starb, nachdem er durch einen Pfeil verletzt wurde,
der ihm mitten in die Stirn traf. Das Geschoß tötete ihn zwar nicht,
die Verwundung war jedoch so schwer, daß er die Schlacht nicht weiter
fortführen konnte. Um seinen Feinden nicht kampflos in die Hände zu
fallen setzte er seinem Leben durch Seppuku ein Ende." Auch andere
historische Belege und Schädelfunde von alten Schlachtfeldern lassen
den Schluß zu, daß Gesichtsverwundungen zu den häufigsten
Verletzungen durch Geschosse zählten – jedenfalls vor der Zeit der
Feuerwaffen (die Stützung auf forensische Forschungen gibt leider
keine Hinweise auf Treffer im Körperbereich, da Läsionen von
Muskulatur und Organen nach 400 bis 800 Jahren schlecht nachzuweisen
sind). “Sanada
Yoshimasa traf die Kugel einer Arkebuse in die linke Seite, welche von
der Burg aus abgefeuert wurde. Der Schuß warf ihn vom Pferd, worauf
ihn sein Knappe und einige andere Gefolgsleute aufnehmen und hinter
die eigenen Linien schaffen wollten. Doch Sanadas Brustpanzer, in Form
der europäischen Rüstungen (Namban do), hatte die Kugel aufgehalten...”
1614,
Winterfeldzug Osaka Ende des 16. Jhdt.
kam eine neue Komponente auf den Schlachtfeldern zum tragen – die
Feuerwaffe. Die große, historische Bedeutung dieser neuen
Waffengattung wird unter Militärhistorikern neuerer Zeit immer mehr
angezweifelt. Bisher galt die Muskete (Teppo) als eines der
Wunderwaffen des japanischen Mittelalters, mit dem selbst schlecht
ausgebildete Fußsoldaten eine ernsthafte Gefahr für erfahrene
Samurai werden konnten. Diese frühen Gewehre waren jedoch noch sehr
anfällig auf Feuchtigkeit, hatten eine lange Nachladezeit,
geringere Reichweiten als spätere Modelle und verursachten bei
massenhaftem Einsatz, wobei sie erst effektiv wurde, einen Pulverqualm,
der den Schützen jede Sicht auf das Ziel nahm.
Speere und
Schwerter “Ura Munekatsu führte
den Angriff in eigener Person, so daß er für seine Feinde ein
begehrtes Ziel darstellte. Zahlreiche Krieger stellten sich ihm
entgegen, doch keiner konnte ihn bezwingen. Imi Danjo Saemon, ein
General des Otomo-Clans, stellte sich ihm endlich entgegen und beide
griffen mit ihren Speeren an. Imi zielte auf Uras Gesicht und stach
ihm seine Lanze nahe der Nase mitten durch die Wange ins Gesicht. Im
selben Augenblick gelang es dem schwerverletzten Ura Munekatsu seinem
Feind den Speer in einen ungeschützten Teil seiner Rüstung zu stoßen...” Schnittwunden von Klingenwaffen konnten, insofern sie nicht den Knochen durchdrungen hatten, während der Schlacht relativ schnell verbunden werden und versprachen eine hohe Heilungschance. Im Gegensatz dazu waren Stichverletzungen von Speeren oder Pfeilen tiefer, breiter und dementsprechend gefährlicher. Stichwunden im Körper, welche die Eingeweide trafen, führten meist zum Tode, auch wenn das Opfer den Kampf überlebte. Der Inhalt der Därme und Schmutz, der so in den Bauchinnenraum gelangte rief eine Sepsis hervor, deren Resultat eine unheilbare Peritonitis (Bauchfellentzündung) war. Treffer im Brustraum hatten fest die gleiche Wirkung. Diese Art von Vergiftung sowie Wundinfektion scheinen die größten Risikofaktoren für Kriegsverletzte in historischen Zeiten gewesen sein. Wie hoch die Verlustraten wegen mangelndem medizinischen Wissen unter den Kriegern war, die nach den Schlachten an ihren Verletzungen starben, ist nicht bekannt, doch ein Vergleich mit modernen Kriegen und einer Sterberate von 25% der Schwerverletzten läßt Schlimmes ahnen (3% Tote von 11% Verwundeten / Special Forces, Somalia 1993). Man kann sicher annehmen, daß in historischen Zeiten mindestens 50% der Schwerverletzten nach dem Kampf ihren Wunden erlagen.
Interessant wäre in
diesem Zusammenhang ein Vergleich, wie hoch der Anteil der einzelnen
Waffengattungen war, der die betreffenden Wunden verursachte. Es ist
jedoch schwer Statistiken über historische Schlachten zu erstellen,
da die überlieferten Quellen (der Sieger) meist sehr subjektiv
beeinflußt waren. Eigene Verluste und gegnerische Erfolge wurden größtenteils
heruntergespielt, dagegen wurden eigene Taten gern überzogen
dargestellt. Eine bessere Grundlage für Studien dieser Art liefern
die militärischen Aufstellungslisten der Clans, die Aufschluß darüber
geben, welche Waffengattungen in welchen Stückzahlen eingesetzt
wurden. So kann man Rückschlüsse ziehen, welche Waffen auf dem
Schlachtfeld als besonders wirkungsvoll angesehen wurden und die damit
verbundene Prozentzahl an Pfeil-, Schwert- oder Speerverletzungen
abschätzen. Die Aufstellungslisten zeigen uns, daß vor allem
Fernwaffen, wie Bögen oder Feuerwaffen, favorisiert wurden. Einheiten
mit langschäftigen Speeren sollten vor allem die Schützen vor
feindlicher Reiterei abschirmen oder einzelne Samurai attackieren,
Schwerter wurden von allen Heeresabteilungen im Nahkampf eingesetzt.
Am Beispiel des Date-Clans aus Nordjapan sieht man deutlich die
Wichtung der unterschiedlichen Waffengattungen, welche sich von Clan
zu Clan zwar unterschieden, vom Prinzip jedoch ähnlich blieben. So
stellten die Date im Jahre 1600 ein Heer von 420 berittenen Samurai,
200 Bogenschützen, 1200 Arkebusenschützen und 850 Speerträgern auf.
Diese Angaben decken sich in etwa mit den Ergebnissen forensischer
Forschungen über die Verteilung von Verletzungen, welche auf den
Schlachtfeldern von Sekigahara (1600) und Kamakura (1333), sowie
historischen Quellen durchgeführt wurden. Ungeachtet aller Details
stellt sich heraus, daß über 70% aller Verletzungen durch Geschosse
(sowohl vor als auch nach der Einführung der Feuerwaffe)
hervorgerufen wurden. Durch das Tragen von
Rüstungen minimiert sich die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung an
den gepanzerten Körperteilen um ein Vielfaches. Überlieferte
Darstellungen von Schlachten, auf Wandschirmen und Bildrollen zeigen,
daß selbst niedere Kriegerränge mit Brustpanzer (Do) und Hüftschutz
(Kusazuri) ausgerüstet waren, die den Unterleib und die Vorderseite
des Rumpfes mit den innenliegenden, lebenswichtigen Organen schützen
sollten. Dennoch war eine Rüstung kein Garant dafür, unversehrt aus
einem bewaffneten Konflikt hervorzugehen. In direkter Einwirkung,
insbesondere bei unflexiblen Panzerungen wie Brustplatten oder Helmen,
sind Handwaffen wie Schwerter oder Speere in der Lage die Rüstung zu
durchdringen. Speziell am Schädel hinterlassen schwere Schläge gegen
den Helm fatale Trauma durch die Einwirkung von Verdrängungsenergien.
Durch direkte Gewalteinwirkung brechen oder zertrümmern auch Knochen
von gepanzerten Körperteilen, was eine Verletzung oder Zerstörung
von benachbarten Organen nach sich ziehen konnte. Auch gegen
ungepanzerte Gegner sind Schnittwaffen wie Schwerter und Messer meist
effektiver als Langwaffen, da fast jede Berührung mit der feindlichen
Klinge zu Verletzungen führen kann. Wird die Waffe nicht durch eine
Schutzkleidung oder eine Abwehrtechnik aufgehalten sind die Wirkungen
auf den menschlichen Körper fatal. Japanische Schwerter, die für
Schnitt- und nicht für Hiebtechniken ausgelegt sind, waren in der
Lage Körperteile abzutrennen oder einen menschlichen Rumpf in zwei
Teile zu schneiden. In historischen Zeiten wurden von Kriegern
Schnittproben (Tameshigiri) an Leichen oder an zum Tode verurteilten
Verbrechern vorgenommen um die Fertigkeit im Umgang mit der Waffe
auszutesten (in dieser Tradition stehen auch heute noch die
Schnittproben an Bambus und Reisstrohballen der Batto jutsu Schulen).
Hochwertige Klingen sollen in der Hand eines geübten Mannes mehrere
übereinandergelegte Körper mit einem einzigen Schnitt durchdringen können
– welche Wunden eine solche Waffe an einem ungepanzerten Kämpfer
hinterläßt entbehrt jeder Vorstellungskraft. Ein Beispiel gibt ein
Bericht der französischen Gesandtschaft in Yokohama aus dem Jahr
1863, welcher ausführlich den Tod eines französischen Leutnants
beschreibt, der im Zusammenhang mit ausländerfeindlichen Aktionen von
Samurai getötet wurde. Der Mann wurde mit Schwertern niedergehauen
und schrecklich entstellt (wahrscheinlich waren aber nicht alle
Verletzungen Kampfwunden und der Leichnam wurde nachträglich noch
verstümmelt). "Seinen rechter Arm fand man in einiger Entfernung von seinem Körper entfernt, wie er noch in den Zügel seines Pferdes verkrallt war. Des weiteren hatte er Schnittverletzungen über eine Seite des Gesichts, durch die Nase, eine dritte über das Kinn – die Halsschlagader war bei einem Hieb nach der Kehle geöffnet und die Wirbelsäule in Höhe des Nackens durchtrennt worden. Sein linker Arm hing nur noch an einem Stücken Haut und die komplette linke Körperseite lag geöffnet bis zum Herzen...”
Waffenloser Kampf " Iso
Mataemon befand sich, zusammen mit einem seiner Begleiter, auf einer
Wanderschaft, als sie von einer Horde von Banditen angegriffen wurden.
Die Übermacht war zu stark und obwohl Mataemon ein Fachmann im
Kumiuchi (waffenloser Kampf in Rüstung) war, konnte er seine Griffe
und Hebel nicht effektiv genug gegen so viele Angreifer einsetzen, so
daß er sich auf Atemi (Schläge und Tritte) verlegen mußte. In
diesem Augenblick erkannte er die Bedeutung dieser Techniken für die
Anwendung gegen ungepanzerte Gegner und ihre Effiziens im täglichen
Leben." Bei Verletzungen
durch waffenlose Techniken muß man zwischen Schlägen und Tritten und
Verletzungen durch den Sturz oder Bruch, hervorgerufen durch Würfe
oder Hebeltechniken unterscheiden. Atemi hatten eher in Friedens- als in
Kriegszeiten Bedeutung, da diese Angriffe vor allem gegen ungepanzerte
Gegner effektiv waren. Mit dem Wissen um die Anatomie des Menschen und
seiner verletzlichen Körperpunkte konnte man durch die Einwirkung der
schockartigen Energieübertragung von Schlagtechniken innere Organe
schädigen, Knochenfrakturen hervorrufen oder den Gegner durch die
Überreizung von Nervenpunkten kampfunfähig machen. Die Gefahr der
Verletzungen durch Knochenfrakturen (und damit verbundenen inneren
Blutungen etc.) war aber nicht nur auf dem Schlachtfeld gegeben.
Duelle zwischen Schwertschülern, welche besonders in der Tokugawa-Zeit
(ab 1600) vorwiegend mit Bokuto (Holzschwertern) ausgetragen wurden,
konnten auch wie reale Klingen töten oder lebensgefährlich verletzen.
Diese Schwerter konnten zwar nicht schneiden, jedoch ohne Probleme Schädel
oder Knochen brechen. Einer der bekanntesten Opfer dieser Waffen war
Yagyu Yoshikatsu, der älteste Sohn von Yagyu Munenori, der auf Grund
einer Übungsverletzung mit dem Bokuto zum Krüppel wurde (andere Quellen
sprechen von Kriegsverletzungen) und so die Erbfolge der Yagyu
shinkage ryu, der Familienschule, nicht an ihn, sondern seinen jüngeren
Bruder überging. Andere historische Duelle, wie z.B. der legendäre
Zweikampf zwischen Miyamoto Musashi und Sasaki Kojiro, stehen als
Beispiel für tödliche Verwundungen mit dem Holzschwert. “Als die Krieger
des Bakufu einen erneuten, gewaltigen Angriff auf die Befestigung von
Akasaka (1331) unternahmen, kappten die Verteidiger die Seile, welche
die Baumstämme hielten, die auf der befestigten Anhöhe zu dicken
Palisaden zusammengefügt waren. Die herabstürzenden Bohlen und
Pfosten erschlugen und verletzten viele der Angreifer. Wer nicht von
den Hölzern getroffen wurde, fiel den Felsbrocken und Steinen zum
Opfer, welche die Verteidiger auf die anstürmenden Truppen warfen ...
bei weiteren Attacken schüttete man kochendes Wasser auf die
Angreifer, die durch schwere Brandverletzungen zur Aufgabe gezwungen
wurden.” Belagerungskriege
unterlagen anderen strategischen und technischen Wesenszügen als
offene Feldschlachten, da sich die Verteidiger meist in der Sicherheit
befestigter Anlagen oder Burgen befanden, die ganz spezifische
Verteidigungsformen ermöglichten. Vor allem Fernwaffen oder eben, wie
oben beschrieben, Steine, Hölzer, heißes Wasser und Feuer kamen bei
solchen Konflikten zum Einsatz, welche in offenen Feldschlachten kaum
Bedeutung hatten. Beim Sturm auf eine Befestigung mußte man damit
rechnen, von herabfallenden Felsen getroffen, Körperteile abgerissen
oder zertrümmert oder gar erschlagen zu werden. Hier konnten, von nur
wenigen Geschossen, viele Männer ihr Leben verlieren. “...40 bis 50
Felsblöcke regneten auf die Angreifer, als diese die Mauern der
Befestigung Chihaya (1333) erreichten. Über 300 Männer wurden sofort
getötet und weitere 500 Samurai zogen sich “halb tot, halb lebend”
zurück...” Eine weitere Gefahr
der Verletzungen in Kriegszeiten waren natürlich Unfälle ganz
profaner Natur, die nun einmal entstanden, wenn Massen von Menschen,
Tieren und Waffen auf engem Raum agierten. Nach Einführung der
Feuerwaffen dürften unvorhergesehen, gelöste Schüsse, Freundfeuer
(auf eigene Leute) sowie die berüchtigten “Rohrkrepierer” (Zerstörung
der Muskete durch die eigene Ladung) wohl zu den meisten Unfällen in
den eigenen Reihen geführt haben. Nicht umsonst resultiert der in
heutigen Armeen praktizierte Waffendrill auf der massenhaften Einführung
von Feuerwaffen in den Armeen, um solche Arten von Unfällen zu
vermeiden. Im Gegensatz dazu konnte man bei Hieb- und Stichwaffen
annehmen, daß durch sie hervorgerufene Verletzungen größtenteils
wirklichen Tötungsabsichten entsprangen. Heere auf der Flucht oder in
Unordnung bilden ebenfalls eine Gefahrenquelle, da hierbei
verschiedene Waffengattungen ineinander geraten konnten und die
Ashigaru (Fußsoldaten) das Risiko eingingen, von der eigenen
Kavallerie überrannt zu werden. Doch diese ganzen Punkte bilden eher
die Ausnahme bei Verletzungen oder Todesfällen in den Schlachten der
japanischen Geschichte. "Kiso
Yoshinaka, ein führender General der Minamoto-Armee, ließ über den
Pass eine Herde Rinder treiben, denen man Fackeln an die Hörner
gebunden hatte. Das über die schmale Gebirgsstraße nachrückende,
feindliche Heer des Taira-Clans wurde von den panischen Tieren überrannt,
wobei viele Krieger von den Rindern oder den eigenen Kameraden
niedergetrampelt wurden oder beim Sturz vom Pass ihr Leben verloren.
Die Verletzten wurden dann von den Kriegern der nachrückenden
Minamoto niedergemetzelt." Kriegsverletzte sind
prinzipiell, sofern sie nicht in der Lage sind sich selbständig vom
Schlachtfeld zu retten, auf die Hilfe ihrer eigenen Leute oder ihrer
Bundesgenossen angewiesen. Höhere Samurai hatten für diesen Notfall
ihre Genin – Gefolgsleute niederen Ranges, welche ihrem Herren
Feuerschutz, Kampfunterstützung und medizinische Hilfe zu gewähren
hatte. Verwundete Krieger niederer Ränge oder versprengte Samurai,
die unfähig waren das Kampfgebiet zu verlassen, liefen im Gegensatz
dazu in Gefahr nach der Schlacht von den Siegern getötet zu werden
oder in die Hände von Plünderern zu fallen. “Während der Schlacht von Yamazaki im Jahr 1582 wurden die Truppen von Akechi Mitsuhide aufgerieben und der Rest seiner Männer versprengt. Akechi, schwer verletzt, wollte sich selbst in ein nahe gelegenes Dorf in Sicherheit bringen, doch er wurde von den Bauern, welche Waffen und Rüstungsteile von den Toten stehlen wollten, abgefangen. Sie zerrten ihn in ein Bambusdickicht und erschlugen ihn dort, um an sein Eigentum zu kommen. Ein ziemlich unrühmliches Ende für einen der bekanntesten Heerführer seiner Zeit...” Script: Ulf Lehmann
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